Im Schatten des Interseins

16. März 2010

Lieber Thich Nhat Hanh, liebe Helga und lieber Karl Riedl, liebe Sanga,

auch das Intersein ist nicht so erleuchtet, dass es nicht Schatten wirft, welche zuweilen dunkler und größer sind als Sie wahrnehmen mögen. Ihre Sangha ist geneigt sich von Realitäten abzuheben, welche gerade in dieser Weise vernachlässigt eine beängstigende Dynamik entwickeln. Allein Ihr Reden und Schreiben von Frieden und Harmonie, Offenheit und Verständnis, einer spirituellen Dimension, von reinem Gewahrsein, von Liebe, Heilung, Freude, Glück und leidfreiem Ich, bringt eine Parallelwelt hervor, in welcher Streit, Verletzung und Leid um so heftiger eskalieren. Sind Fähigkeiten der Kritik und des Konflikts, der Auseinandersetzung, der Diskussion, Konfrontation und Leidenschaft schon mit solch einseitiger Zuwendung und Aufmerksamkeit vernachlässigt, so werden sie noch dazu an mancher Stelle direkt als destruktiv abgewertet.

Für kritik- und konfliktscheue Menschen machen Sie sich damit zum Ort der Anziehung. Dass wesentliche Anteile des Lebens sich in den Schatten des Interseins abspalten und damit Ihrer Wahrnehmung immer unzugänglicher werden, hat einen weiteren wichtigen Grund: Nach dem Wortlaut der siebten Achtsamkeitsübung, „findet das Leben nur im gegenwärtigen Moment statt und es ist nur möglich im Hier und Jetzt glücklich zu leben“. Auch hier werden in der Folge auf eine solche Fokussierung, andere räumliche und zeitliche Dimensionen abgewertet: Man solle sich nicht verlieren in Zerstreuungen, im Bedauern über die Vergangenheit oder in Sorgen über die Zukunft.

So wichtig es sein mag etwa vor Zerstreuung zu warnen, es fehlen wie an anderer Stelle auch konstruktive Entsprechungen: Freie Assoziation, Phantasie und Vorstellungskraft bilden wesentliche Fähigkeiten sich aus Engstirnigkeit, verhärteten Mustern und Gewohnheiten zu lösen. Nicht selten setzt gerade das den Mut zum Verlust von vertraut gewordenem voraus. Und zeichnet sich nicht gerade das menschliche Bewusstsein dadurch aus, dass es sich über Zeit und Ortsgrenzen hinaus ausdehnen kann und ist nicht gerade das so notwendig geworden in dieser Gegenwart? Ein Mangel an Gegenwartsbewusstsein ist grundsätzlich nicht weniger destruktiv als ein Mangel an Vergangenheits- oder Zukunftsbewusstsein. Unser Leben wird reicher und sinnvoller, wenn wir es in einem Gleichgewicht aus allen ergänzen und nicht etwa drei gegenüber zweien vernachlässigen. Lassen Sie sich einladen, ebenso in vergangener, zukünftiger und räumlicher Entfernung zu fühlen und zu denken und auch darin lebendig zu sein. Es ist wie nie zuvor Bedingung geworden für Lebendigkeit und Leben der globalen und zukünftigen Menschheit. Da Sie an anderer Stelle so engagiert und deutlich für eben das eintreten, ist zumindest missverständlich, dass Sie so pauschal und oft dazu auffordern, einfach und alsbald zum gegenwärtigen Moment zurückzukehren.

Sie und ich etwa brauchen uns allerdings wohl wirklich nicht so sehr sorgen um unsere Zukunft, da wir nicht mehr so lange leben. Auch gehören wir zu den Privilegierten mit ausreichend Wasser, Nahrung und Wohnraum. Diejenigen aber weit abseits des Hier und Jetzt in den armen und ärmsten Regionen des Planeten leiden und hungern auch durch unsere Nachlässigkeit. Ebenso nachkommende Generationen; bis weit in die Zukunft wird ihnen unser Erbe zur tödlichen Bedrohung. Es ist ein Gebot der Achtsamkeit, dass wir unser Bewusstsein und Gewissen in ihre globale und bis weit in die Zukunft reichende Betroffenheit ausdehnen und dies zu unserer Handlungsgrundlage machen.

Zu einer achtsamen, in alle Richtungen gehenden Wahrnehmung gehört weiterhin als wesentlicher Teil ein Geschichtsbewusstsein, welches nicht bloß abstrakt angesehen, sondern vielmehr auch lebendig sein soll. Ich weiß von vielen Menschen, welche Opfer von Vertreibung, Gefangenschaft, Krieg und Völkermord geworden sind, wie essenziell für sie ist, dass ihr Leid in unserer Erinnerung lebendig bleibt.

Unausweichlich für ein tiefes Verständnis des menschlichen Seins ist schließlich die lebendige Erinnerung an die eigene Kindheit. Missachtung und falsche Liebe, welche wir alle in der ein oder anderen Weise erfahren, und erfahren lassen, wirken auf Kinder in einer unmittelbar und direkten Weise, welche für sie existentiell und lebensbedrohlich ist. Erkennen wir diesen Schmerz und diese Angst nicht und sind wir nicht bereit diese zu fühlen, geben wir die endlose Geschichte von Zerstörung, Krieg, Terror und Menschenverachtung an unsere Umgebung und an unsere Nach-kommen weiter. Aussagen mit dem Inhalt, man solle Vergangenes nicht bedauern oder etwa, uns wären die Bedingungen für das eigene Glücklichsein allein durch unsere geistige Haltung bereits gegeben, verschleiern so pauschal formuliert diese Einsicht. Mögen sie ansonsten auch ein noch so waren Kern haben.

Das Unglück von Kindern, beleidigt, beschimpft und bedroht zu werden, ist gewiss nicht begründet in ihrer geistigen Haltung. Dies gilt besonders, durchaus aber nicht nur für Kinder: Werden Menschen vertrieben und nimmt man ihnen ihre Lebensgrundlage und Freiheit, so sind ihnen wesentliche Bedingungen genommen um glücklich zu leben. Eine geistige Haltung kann oft nur dann zum Glücklichsein führen, wenn sie beinhaltet äußere Umstände zu reflektieren und aktiv zu ändern. Die Neigung, Glück allein und immer durch geistige Haltung erlangen zu wollen würde bedeuten, sich um den Preis von Illusion und Abspaltung von äußeren Umständen eine Scheinwelt zu bauen.

Ich will einen weiteren wichtigen Grund nennen, warum nach meiner Wahrnehmung das Intersein eine düstere Parallelwelt mitverursacht bzw. durch fehlenden Einsicht verhindert, dass diese sich erhellen und lösen kann: Es ist die mangelnde Übung der Kritik gegenüber sich selbst und Anderen, der Mangel an Wertschätzung von Dialog, eingehendem Austausch und Auseinander-setzung sowie auch fehlende Entschlossenheit, Konflikte und Leidenschaften anzunehmen und durchzuhalten. Alles das ist unumgänglicher Teil dessen, was Sie an Kommunikation, Versöhnung, des Nicht-Haftens an Ansichten und voneinander Lernens üben wollen. Und zwar umso mehr, da Sie darüber hinaus auch deutlich Stellung beziehen und Unrecht beim Namen nennen wollen, selbst dann, wenn dies die eigenen Sicherheit gefährden sollte.

Ich erlebte des öfteren wie rasch Einwände, Kritik und Bedenken Ihre freundliche Zuwendung und Offenheit kraftlos werden ließen, ja zuweilen in Angst und Unwillen wandelten. Das aber führt denke ich besonders auch in Europa zu Polarisierungen und Mängeln an Kommunikation und verhindert, dass Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen sich immer besser verständigen und zu den Gemeinsamkeiten finden, welche ein beständig-friedliches Zusammen-leben erst ermöglichen.

Dass Ihnen bewusst ist, wie viel Leid ein Mangel an Kommunikation verursachen kann, und dass Sie keine Anstrengung scheuen wollen diese aufrechtzuerhalten, ermutigt mich diesen Brief zu formulieren und Ihnen zuzusenden. Als ich im Herbst 08 das Intersein besuchte, kamen Sie meinem Wunsch nach Dialog nicht entgegen, ich wurde vielmehr mit Ihrer Beurteilung meiner Wahrnehmungsschwäche und fehlender Erfahrung alleingelassen. Sie scheinen keine Ahnung zu haben, wie viel Unfrieden allein dies Ausweichen gegenüber meinen Bedenken und Einwänden nach sich zog. Ich bitte Sie sehr herzlich, einen Dialog mit mir aufzunehmen und fortzuführen, dass Leid und Ruhelosigkeit sich lösen können.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Goebel

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9 Kommentare zu Im Schatten des Interseins

  1. Joseph Pham sagt:

    -http://nhabaovietthuong-uk.blogspot.de/p/thich-nhat-hanh-kp-agent-in-monks-robes_3.html
    -http://vn-buddhist.blogspot.de/2012/08/thich-nhat-hanh-ein-kp-agent-im_28.html

    -THICH NHAT HANH – A KP AGENT IN MONK’S ROBES – THE TRAILS OF BLOOD OF THE „UNIFIED BUDDHIST CHURCH OF VIETNAM“
    OR HOW THE VIETNAMESE COMMUNIST PARTY
    EXPLOITS THE POWER OF BUDDHISM AS AN INSTRUMENT OF POWER.
    (Part 1)
    -THICH NHAT HANH – EIN KP AGENT IM MÖNCHSGEWAND UND DIE BLUTSPUREN DER VERBRECHEN DER „UNIFIED BUDDHISTIC CHURCH OF VIETNAM“
    ODER WIE DIE VIETNAMESISCHE KOMMUNISTISCHE PARTEI
    DEN BUDDHISMUS ALS MACHTINSTRUMENT AUSNUTZT.
    (Teil 1.)

  2. Luigi sagt:

    Ich denke an die Worten von G.K.Chesterton:

    Entschuldigung wenn ich vielleicht ein bisschen übertreibe…aber ich behaupte dass meine Mutter , die ganz normal geduldig und liebevoll, 3 Kinder groß erzogen hat etwas Ängstlich war und niemals eine “ Aufmerksamkeit Übung “ erledigt hatte, viel VIEL weiter als dieser spießige Thích Nhất Hạnh und deren Begleitung war. Thích Nhất Hạnh braucht bei Aldi arbeiten und nach 6 Monate 2 Wochen Ferien ans Meer. Echte Leben hilft gegen Überheblichkeit und Träumereien.

  3. Kauth Amalie sagt:

    noch ein Kommentar von mir zu ihrer Erfahrung mit Intersein.
    Vielleicht haben sie nicht die Aufmerksamkeit erhalten die sie gesucht haben, das tut mir wirklich leid, es gibt in der Tat einige in der Gemeinschaft die, sagen wir es mal so, ein wenig abgehoben sind. Die Erfahrung habe ich aber ausschließlich bei deutschen Mitgliedern gemacht und niemals bei ordinierten Nonnen und Mönchen.
    Und was die schmerzhaften Prägungen aus der Kindheit betrifft, kennen sie die Seminare von Thay Phap An vom Kloster EIAB in Waldbröl?
    Ich habe an seinem Seminar „das innere Kind umarmen“ teilgenommen und das ging mehr als tief in die Abgründe des seelischen Leidens eines Kindes.
    Viele Teilnehmer wurden (manche zum 1. Mal) mit ihrem verdrängten schrecklichen Schmerz aus ihrer Kindheit konfrontiert, viele sind in Weinkrämpfen zusammengebrochen.
    Thay Phap An ist es dabei nicht nur gelungen, diese ganzen Erlebnisse aus der Verdrängung hervor zu holen, er konnte auch ausführlich und verständlich die Entstehung und die physisch-psychischen Zusammenhänge erklären.
    Was aber das Wichtigste war, er hat den Weg aus diesem Leiden aufgezeigt und auch mit einer geführten Energie-Meditation die Blockaden zum transformieren gebracht.
    Ich habe eine CD dieser Meditation und mache sie immer dann, wenn ich Prägungen aus der Kindheit feststelle.
    Es hilft mir unglaublich gut und ich fühle mich befreit. Dieses Seminar hat einiges in meinem Leben und in mir verändert.
    Hoffentlich wird das Seminar vom inneren Kind weiter im EIAB angeboten.
    Für Thay Phap An ist es wahrscheinlich ein Kraftakt und kostet ihn auch selbst viel Anstrengung, vermute ich mal.
    Lieber Bernhard, vielleicht geben sie der Sangha noch eine Chance? Bitten sie um ein Gespräch mit Thay Phap An.
    Die Sangha besteht nicht nur aus den Leuten die sie so enttäuscht haben.
    Alles Liebe für sie
    Amalie

  4. M. Eberhart sagt:

    Ich denke es handelt sich hier leider um ein weit verbreitetes Missverständnis. Im Augenblick gegenwärtig zu sein hat nichts mit Flucht vor der Realität zu tun – Ganz im Gegenteil. Wenn man sich Vergangenheit und Zukunft vor Augen führt, ohne sich die Wurzeln im Augenblick ausreißen zu lassen, wird man ihnen sogar gerechter.
    Viele Menschen, die gerade erst mit der spirituellen Suche beginnen, nutzen diese fast unausweichlich zunächst als Flucht und Rückzug vor der „überwältigenden Realität“. Das ist aber nur eine fallweise vielleicht sogar notwendige Phase und der Weg führt später mit gereinigter Sichtweise in die Welt zurück (sofern man geduldig auf dem Weg bleibt und bereit ist, seine Träume vom Glück platzen zu lassen)
    Daran scheitern zugegebenermaßen auch Einige.

    • Bernhard sagt:

      In meinem offenen Brief schreibe ich nicht, dass Gegenwärtigkeit immer und notwendigerweise mir Flucht zu tun haben muss. Ich wende mich viel mehr konkret gegen die meines Erachtens viel zu kategorische und ausschließliche Aussage, dass „das Leben nur im gegenwärtigen Moment stattfindet und es nur möglich ist im Hier und Jetzt glücklich zu leben“. Ohne zu leugnen, dass es sinnvoll sein kann vor Zerstreuung zu warnen, wird in Buddhas Lehre und vor allem auch in der Umsetzung eines Thich Nhat Hanhs allerdings das Gegenwärtige und das Hier und Jetzt, viel zu einseitig und zu Lasten der freien Assoziationen in alle räumlichen und zeitlichen Dimensionen, von Nachtempfindung und Nachdenklichkeit, hervorgehoben und überbewertet. Warum aber sollten meine lebendigsten Wurzeln ausgerechnet und immer nur im Hier und Jetzt sein? Ich kann mich innerhalb meines Lebens und seines Prozesses sehr wohl und sehr gut ebenso in einer Erinnerung und in Vergangenem verwurzeln, ausfüllen und verwirklichen oder abwechselnd auch in der Freude auf, oder Idee von der Zukunft. In meinem Brief habe ich erläutert und begründet, warum ich es destruktiv finde, räumliche und zeitliche Dimensionen und das Leben oder die Verwurzelung in ihnen, gegeneinander ab- oder aufzuwerten.

      Gerade Buddhisten sollten sich meines Erachtens zudem viel mehr die Frage stellen, warum sie nicht viel mehr vor einer Flucht in das Gegenwärtige und das Hier und Jetzt warnen und wie sie der Gefahr begegnen wollen, im Leben oder in Meditation um das Hier und Jetzt, den Bezug zu Realitäten der anderen räumlichen und zeitlichen Dimensionen zu verlieren. Ich meine, Sie nehmen diese Gefahr auch in Ihrem Kommentar nicht ernst genug.

      Sehr fragwürdig finde ich auch Ihre Darstellung „des spirituellen Weges“ und der „gereinigten Sichtweise“ auf die Welt: Leben und Natur sind nicht vor allem irgendwie „rein“ und klar und es gibt schon deswegen sicher nicht den bestimmten Weg, sie nachzuempfinden, zu reflektieren und wahrzunehmen:

      „Wir können lebendig und gesund nennen, wenn wir in uns eine bewegliche und vielfältige Struktur und Matrix erzeugen (wie eine Baumkrone in Sonne und Wind) auf der wir in endlosen Assoziationen und Vernetzungen (auch hinein in alle zeitlichen und räumlichen Dimensionen!) abbilden was in und um uns ist, es aufnehmen, umwandeln, realisieren und wiedergeben – immer in einer Balance aus dem Flattern und Flirren unterschiedlichster und blitzschneller Reflexionen und ihrer Sammlung in die ruhige Bewegung der lange gewachsenen und einfach zu folgenden Struktur.“ (http://www.fuehlenunddenken.de/meine-seite-und-ich-3/krankheit-und-heilung/) Bitte beachten Sie dazu auch „Ziele der Vielfalt und Weite“ http://www.fuehlenunddenken.de/buddhismus/ziele-der-vielfalt-und-weite/, „Lebendige Wahrnehmung“ & „Angst vor dem Endlosen und Sehnsucht nach Sicherheit“ http://www.fuehlenunddenken.de/drei-essays/fuhlen-und-denken/

      Es gibt nicht „den Weg“ und noch weniger „den spirituellen Weg“, das Leben die Natur und sich selbst zu erkennen, wahrzunehmen und zu verwirklichen. „Der Weg“ war viel mehr schon immer ein Mittel, sich einzugrenzen und unempfänglich und unsensibel für die unendliche Vielfalt, Weite und Komplexität des Lebens zu werden. (S. dazu auch http://www.fuehlenunddenken.de/drei-essays/der-weg-von-rotkappchen/)

      • M. Eberhart sagt:

        Ich möchte den Begriff „Spiritueller Weg“ hier nochmal aus meiner Sicht beschreiben. Es gibt nichts zu entdecken, das in unserem alltäglichen Leben nicht von je her vorhanden war und immer sein wird. Wäre ein Menschenleben lang genug, dann würde uns das Leben unweigerlich so weit „abschleifen“, dass wir uns irgendwann keinen Illusionen mehr hingeben würden. Wir würden erkennen, dass das Leben ein Prozess ist, der sich – und damit auch uns – ständig verändert. Es gibt keinen unveränderlichen Kern in uns, an den wir uns klammern könnten, also müssen wir uns dahin entwickeln, das Leben zuzulassen, so wie es ist – Augenblick für Augenblick.

        Ein ernsthaft beschrittener, spiritueller Weg sollte diesen Lebensschliff unterstützen und ihm mit einem tief empfundenen „Ja“ begegnen. So gesehen sind spirituelle Praktiken nichts Besonderes, sondern sie sollen den Gang der Dinge nur unterstützen. Es gab und gibt viele spirituelle Lehrer, die diesen alltäglichen und natürlichen Charakter der spirituellen Suche sehr betonen und auf der anderen Seite gibt es manche Schulen, die mit viel TamTam und Brimborium eben doch etwas Besonderes sein wollen.

        Um die „Fluchtgefahr“ verstehen zu können müsste man zunächst fragen, aus welchem Grund sich Menschen auf eine spirituelle Suche begeben. Zumeist macht den Anfang ein tief empfundenes Gefühl, dass mit der Welt oder einem selbst etwas nicht stimmen kann. Zunächst mal ist man mit dieser schmerzhaften und oft existenziellen Empfindung überfordert. Nun gibt es tausende Alternativen, wie man mit diesem Zustand umgehen kann. Die meisten davon haben mit Flucht zu tun. Bei der Flucht in das Gegenwärtige/Spirituelle besteht allerdings der Unterschied, dass man gute Chancen hat, durch diese Phase hindurch zu gehen, ohne sich endlos im Kreis zu drehen (sogar wenn man Brimborium praktiziert).
        Ich traue dem Leben da einfach zu, dass es dem Fliehenden zu gegebener Zeit die Augen öffnet. Eine Flucht ins Spirituelle ist jedenfalls ungefährlicher als in den Drogenmissbrauch oder aggressives Verhalten. Wünschenswert wäre selbstverständlich eine Begleitung durch einen erfahrenen, spirituellen Lehrer, der um die Fluchtgefahr weiß und geeignete Hinweise geben kann.
        Ich habe öfters erlebt, dass Menschen aber zunächst mal so froh und begeistert sind, das Leben spirituell austricksen zu können, dass es einfach Jahre dauern kann, bis aus dem Wegrennen ein Zulassen wird. Das finde ich vollkommen natürlich/menschlich.

        Mit der „gereinigten Sichtweise“ meinte ich den Wandel vom Manipulativen zum Zulassenden. Die Natur der Welt hat sich nicht verändert, aber der Drang, unbedingt etwas entfernen, hinzufügen oder korrigieren zu müssen steht nicht mehr so stark zwischen Mensch und Welt.
        Das haben die Buddhisten auch nicht gepachtet, denn der Satz „Dein Wille geschehe“ steht in einem anderen Buch und meint doch das Selbe.

        • Bernhard sagt:

          Sie formulieren Überzeugungen, die einerseits sehr weit reichen und in hohem Maße Allgemeingültigkeit beanspruchen – und andererseits unbegründet bleiben. Sie scheinen gerade in Ihrer letzten Antwort Ableitungen und Erläuterungen einfach nicht für nötig zu halten, vielleicht so etwa nach dem Motto: Buddha hat sich für erleuchtet gehalten und ich bin ihm und seinen Lehrern darin immer gefolgt, dass aber gerade in diesem Anspruch der Erleuchtung des Buddha, der grundlegendste und schrecklichste Irrtum enthalten sein könnte, scheint Ihnen und den meisten, die sich Buddhisten nennen, eigentlich nie mehr einsichtig und möglich zu sein:

          „Es gibt nichts zu entdecken, das in unserem alltäglichen Leben nicht von je her vorhanden war und immer sein wird.“ Für mich schwebt dieser Satz und seine Behauptungen frei erfunden und sinnlos im Raum! Was soll das sein „unser alltägliches Leben“? Warum „unser“? Warum „alltäglich“? Hat Buddha das gesagt oder Ihrer Meinung nach gemeint? Oder steht er in der Bibel oder in der Genesis? Buddha aber war nun einmal vielleicht(!) auch nur ein Mensch wie Sie, oder Ihr Nachbar, oder wie ich, nur mit dem wesentlichen Unterschied, dass er sich einer – wenn nicht der furchtbarsten Illusion hingegeben hat, sich für erleuchtet zu halten. Und die Bibel – sie kenne ich besser als den Buddhismus und seine Lehre – war und ist sicher nicht das Buch der Bücher (sondern m. E. ein überlanges Märchen), in ihr stehen viel mehr viele Weisheiten und kostbare Einsichten gleich neben zahlreichen oder viel zahlreicheren primitiven Dummheiten und Ressentiments.

          Das leben von Pflanzen, Tieren und Menschen, muss und sollte uns nie alltäglich sein, seine Evolution oder etwa beständige Veränderung und Erneuerung in den Jahreszeiten, ist so geheimnisvoll und wunderbar, so voller Schönheit und Überraschungen, voller Vielfalt und Lebendigkeit, dass kein Tag uns alltäglich und gleich wie der andere sein brauch und sein sollte.

          • M. Eberhart sagt:

            Es ist schwer, hier auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
            Wir stehen im Obstgarten und Sie jonglieren mit Konserven.
            Ich rede von den Früchten am Baum und Sie fragen mich nach dem Etikett.
            Den Unterschied kann man nicht beschreiben, aber schmecken. Da reicht schon ein kleiner Bissen.
            Die Früchte aus der Dose schmecken vielleicht sogar manchmal besser, aber ich spare mir lieber das Regal und lebe von der Hand in den Mund.

  5. Bernhard sagt:

    Sie formulieren erneut Feststellungen ohne sich irgendwie um Ableitungen, Begründungen oder Erläuterungen zu kümmern. Sie lassen unbeachtet, dass es hier um den Willen und die Fähigkeit zum Dialog und zur Kommunikation geht, die von Thich Nhat Hanh und dem Intersein-Zentrum zum Kern Ihrer Praxis und Achtsamkeit gemacht werden, im Zweifelsfalle und an Hand einer konkreten Herausforderung aber missachtet und ignoriert werden.

    Vor allem Ihr letzter Kommentar bewegt sich schon sehr in die Nähe eines Trollschreibers, der ohne Reflexion, Überlegung und Nachempfindung, irgendwelche „Schüttelaussagen“ niederschreibt ohne irgendeinen sinnvollen Bezug zu Aussagen, Argumenten und Fragen Ihres Dialogpartners.

    Ihre Worte sind Geschwätz, die sich noch dazu in Richtung Verleumdung und Lüge bewegen, indem Sie mich ohne jeden benannten Grund und Anlas als Konservenjonglierer bezeichnen, als jemand der nur nach dem Etikett fragt, während ihm die Frucht, der Kern und die Natur der Sache entgeht. Sich selbst und irgendeine nicht näher bezeichnete Gemeinschaft, erheben und stilisieren Sie dagegen in die Mitte eines solchen Gartens, das ist so schwach, so durchsichtig, so missachtend und ohne jede Einsicht, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gegenüber einer solchen Illusionen, der Sie sich hier öffentlich hingeben. Sie verachten damit am meisten sich selbst, Ihre Praxis, Ihren spirituellen Weg und Ihre Gemeinschaft.

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