Rechtfertigung und Legitimierung des Fleischessens

Aus Anlass der öffentlichen Forderungen von Armin Pfahl-Traughber: „Fleischesser sollen sich rechtfertigen!“(1)

Bitte auch zu beachten: Kuhglocken und Käsekelle gegen Massentierhaltung und Agrarindustrie & Entlassen in Verarmung, Verödung und Leblosigkeit

Als einleitender Hinweis lässt sich zusammenfassen: Es ist legitim und zu rechtfertigen Milch- und Fleischprodukte aus agrarökologischer extensiver Wiesen- und Weidehaltung zu konsumieren: Durch einen solchen Konsum erhalten sehr viel mehr sehr verschiedenen Pflanzen, Tiere und auch Menschen ihr Leben, ihr Wohl und ihren Freiraum, als ohne ihn.Pauschalisierungen und ein generelles Ablehnen und Verurteilen des Fleischessens, bzw. von Tierhaltung z. B. durch Armin Pfahl-Traughber, sind schon Teil jener Verarmung, jenes Sterbens und Aussterben an Flora und Fauna, angefangen vom Mikrokosmos in Darm und Schleimhäuten bei Tier und Mensch, bis zu den Macro- Biotopen und Lebensräumen von Boden, Wasser und Luft.(2)

Menschen haben mit ihrer LW „im großen Maßtab“(3) in die Evolution des Lebens investiert, wurden durch sie zur Bedingung einer Unzahl und Vielfalt an wilden und nichtwilden Pflanzen und Tieren(2) und notwendiger Teil dieser LW war und ist fast immer auch eine maßvolle Tierhaltung.

Es lässt sich zwar ziemlich gesund leben ohne Fleisch (und entsprechend einem gewissen Mehr an Milchprodukten und Eiern!), allerdings mit ein wenig Fleisch (und nicht ganz so viel Eiern und Milchprodukten) noch sicher um einiges vielseitiger und gesünder.(4) Wenn zudem eine maßvolle Nachfrage und der Konsum von Fleisch aus agrarökologischer extensiver Wiesen- und Weidehaltung Leben, Vielfalt und Freiheit einer so großen Anzahl und Vielfalt von Pflanzen und Tieren überhaupt erst ermöglicht,(2) ist es um so mehr unverantwortlich, Kindern in ihrer Wachstumsphase die besondere Dichte und Qualität an Nährstoffen vorzuenthalten.

Fleisch hat als Nahrungsmittel und in seiner Produktion so oder so eine erhebliche Wirkung. Entsprechend führt es unter massivem Missbrauch zu ebenso massiver Zerstörung, wie es durch intelligente und maßvolle Anwendung in der Summe zu Klimagassenken(5) und zu einer regelrechten Explosion an Vielfalt, Vitalität, Freiraum und Leben führen kann und auch geführt hat.(2) Die (Über)Dosis macht das Gift – ein maßvolles Limit das Heilmittel. Wie so oft ist nicht das kleine und mickrige „ob Fleisch“ entscheidend, sondern viel mehr die großen Ws: Wie viel, Welche Qualität bzw. Was für eine Haltung, Welche und Wie viel Verarbeitung, Wie viele Tiere, Was für (Grün)Land, Welches Futter, Was für eine Kompostierung und vieles mehr.

Ich fordere von der ZDF-Redaktion und von Pfahl-Traughber eine Rechtfertigung dafür, warum Sie Fleischverzehr und Tierhaltung so pauschal verurteilen und ablehnen (lassen). Eine solche en vogue gewordene Stimmungsmache(6) richtet sich gegen Vitalität, Freiheit, Wohl und Leben einer sehr hohen Anzahl wilder und nichtwilder Pflanzen und Tiere.

Nutztiere und ihre Kulturlandschaft

Jungtier auf der Binneralpe nach dem ersten Schnee

Durch die richtige Anzahl von Tieren auf einer Alpe, werden Ressourcen stabilisiert und erzeugt.

Schweine sind neugierig, intelligent und kommunikativ

Gegenseitiges Interesse zwischen Tier und Mensch auch auf dem Hofgut-Oberfeld – Als horntragendes Tier und auch als Altdeutsches Schwarzbuntes Niederrungsrind, ist es vom Aussterben bedroht.

Im Spätherbst verlassen die Kühe Alpe Blumatt


2 – „In vielen Regionen Deutschlands haben Tierhaltung und standortgerechte Beweidung nicht nur Landschaften geprägt, sondern auch zu einer enormen Artenvielfalt in der Kulturlandschaft geführt. Im Naturschutz und in der Landschaftspflege gilt die Beweidung auch heute noch als wichtigste Nutzungs- und zugleich Pflegeform, um kostengünstig den Erhalt von Artenvielfalt und Landschaftsschutz zu verbinden. …“ Extensive Beweidung – mehr als Landschaftspflege! Deutscher Verband für Landschaftspflege

Vergl. a.: Entlassen in Verarmung, Verödung und Leblosigkeit bzw. Fußnote 1:

Biologische Vielfalt in Gefahr – Bekassine, Kiebitz und Knabenkraut verlieren Lebensraum – NABU

„Für jede zweite in Deutschland vorkommende Art ist das Grünland ein unverzichtbarer Lebensraum. Wiesen und Weiden dienen der Nahrungssuche und sind Ort der Ruhe, Paarung, Nist und Jungenaufzucht.“ „Die Artenvielfalt auf Wiesen und Weiden ist immens. … Hierzulande kommen im Grünland mehr als 2.000 höhere Pflanzen vor. … Das große Spektrum an Pflanzen bietet die Grundlage für eine ebenfalls vielfältige Fauna. Auf wenigen Quadratmetern können mehrere Hundert verschiedene Insekten und Spinnen vorkommen. … Von ebenso großer Bedeutung ist dieses Biotop für am Boden brütende Vögel. …“

„Jeder der Wiesentypen ist einzigartig in seiner Tier- und Pflanzenwelt. Auf Feuchtwiesen leben etwa 3.500 Tierarten. Geschützte Reptilien, wie Ringelnatter, Kreuzotter oder Waldeidechse genießen die sonnenexponierten Flecken, während sich Amphibien wie Laubfrosch, Moorfrosch und Rotbauchunke im Feuchten am wohlsten fühlen. Zwischen Kohldistel, Schlangenknöterich und hunderten knallig-gelber Troll- und Sumpfdotterblumen staksen Weißstorch und Großer Brachvogel durchs kühle Nass … Die größte Vielfalt findet sich in der Insektenwelt wieder. Heuschrecken und Schmetterlinge sind neben Bienen und Hummeln besonders auf artenreiches Grünland angewiesen. Mit ihren spezifischen Lebensraumansprüchen reagieren sie sensibel auf kleinste Veränderungen ihrer Umwelt und spielen eine Schlüsselrolle im Lebensraumkomplex Wiese. Viele Schmetterlinge benötigen zur Fortpflanzung eine ganz bestimmte Pflanze (Moorbläuling/ Großer Wiesenknopf). Oft sind die Raupen auf eine bestimmte Futterpflanze angewiesen, die in ausreichender Menge vorhanden sein muss (Esparsette-Bläuling/ Esparsette oder Apollofalter/ Fetthenne). Verschwinden die Futterpflanzen durch Intensivierung oder Verbuschung verschwinden auch die Falter.“ BUND: Wiesen und Weiden sind bunte Oasen der Artenvielfalt

„In Mitteleuropa zählen Feuchtwiesen zu den artenreichsten Biotopen. Hier gelten sie als Halbkulturformationen, die durch menschliche Nutzung infolge der landwirtschaftlichen Produktion von Streu und Futter für die Nutzviehhaltung entstanden sind. Sie tragen wesentlich zur Ausprägung der mitteleuropäischen Kulturlandschaft bei. Sie müssen bewirtschaftet werden, da die Sukzession zur Ausbildung von Hochstaudenfluren, später Gebüschen und schließlich zu Wäldern führen würde.“ Wikipedia – Feuchtwiese
„Extensiv genutztes Grünland besitzt ein überaus hohe Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt sowie den Gewässer-, Boden- und Klimaschutz.“ Grünlandpflege und Klimaschutz – NABU

„Die Bedeutung der Ackerflächen als Lebensraum für Wildtiere wird häufig unterschätzt. Dabei sagen schon die Namen vieler Wildtiere – Feldlerche, Feldhase, Kornweihe – wie wichtig Ackerflächen für den Artenschutz sind.“ Ackern für die Artenvielfalt – Natur Land Stiftung

„Weltweit entstand (durch züchterische Maßnahmen) so eine große Vielfalt von Arten, auch als Agro-Biodiversität bezeichnet. Diese Agro-Biodiversität umfasst jedoch nicht nur die vom Menschen direkt und gezielt ausgewählten Arten, sondern auch Arten, die sich parallel in den von Menschen geschaffenen Landschaften entwickelten.“ + „Die Erzeugung von Milch und Fleisch ging einher mit einer Weide- und Wiesenwirtschaft. Gerade auf diesen Flächen entwickelte sich eine große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren.“ Biodiversität und Landwirtschaft – Helmhotz Zentrum für Umweltforschung
„Kein anderer Lebensraum als (Kultur)Wiesen und Weiden, beherbergt derart viele Tier- und Pflanzenarten.“ Natruwissenschaften Schweiz – Hotspot 18/08 Trockenwiesen und -weiden

3 – „Die klimatische Stabilität des seit der letzten Eiszeit herrschenden Erdzeitalters, des Holozän, habe die Menschheit erstmals dazu veranlasst, „in großem Maßstab in ihre Umwelt zu investieren, anstatt sie lediglich auszubeuten“, sprich Land- und Forstwirtschaft zu betreiben.“ Wege aus der Hungerkrise – Weltagrarbericht S. 20

4 – vergl. a.: „Biologe: Der Mensch braucht Fleisch“ Deutschlandfunk Kultur 20.01.2011 „Viele pflanzliche und wenige, aber dafür gute tierische Produkte sowie eine maximale Vielfalt sind das Geheimnis toskanischer, chinesischer, indischer, französischer wie orientalischer Spitzenköche, …“ Wege aus der Hungerkrise – Weltagrarbericht S. 10

5 – vergl.: „Grünland bedeckt ca. 40 % der weltweiten Landfläche. Durch nachhaltige Weidehaltung wird Kohlenstoff als Humus im Boden gespeichert und fördert so die Bodenfruchtbarkeit. Dabei entlastet jede zusätzliche Tonne Humus im Boden die Atmosphäre um ca. 1, 8 t CO2.“ Die Kuh ist kein Klima-Killer 7. Auflage 2019 Umschlag & „Wiederkäuer haben sich in Co-Evolution mit Graslandschaften entwickelt. In Prärien und Tundren schufen sie über Jahrtausende fruchtbare Schwarzerden und trugen dazu bei, dass weltweit ein Drittel des globalen Kohlenstoffs im Grasland gespeichert ist. Diese Systeme sind weitgehend verloren, doch regional kann man sie erneuern, mit der Hilfe von Schafen und Rindviechern.“ Fladen des Lebens – DIE ZEIT 10. Juli 2019

6 – Nutztierhaltung or not:

Wir Milch- und FleischproduzentInnen sehen uns (erneut!) gerade von VegetarierInnen und VeganerInnen zu Recht und Unrecht drängenden Fragen und harter Kritik ausgesetzt. In der Ausgabe 02/2013 verhandelte das Greenpeace-Magazin das Thema unter dem Titel «Die Besseresser. Warum sich Vegetarier und Veganer klüger ernähren». Das macht ja schon mal neugierig – und wirklich, die Autorinnen sind mit uns Hirtinnen und Käsern nicht zimperlich: «Es trügt nicht. Die Nutztierhaltung verschlingt massenhaft Ressourcen », «Viehhaltung schluckt Unmengen Wasser», «Wer Fleisch von seiner Speisekarte streicht, reduziert den Ökofussabdruck seiner Nahrung um die Hälfte», «Schwer wiegt das seelische Leid der Tiere».

Sollten wir denken, «es sei vertretbar, Tiere als Nahrungsquelle zu halten», erliegen wir der Annahme, «dass ein früher Tod ihnen nichts ausmacht». – Und: «Nein, Biofleisch ist keine Lösung, sondern eine PR-Antwort der Agrarindustrie» (Melanie Joy, Psycho- und Soziologieprofessorin). Wer sich nach diesen Austeilungen noch nicht verkrochen hat oder vielleicht dachte, als «sorgloser Vegetarier» davonzukommen, den wird es kalt erwischen, dass «ganz einfach» auch «Milch zur Tötungsmaschine» gehört.

Die Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt sorgt im gleichen Ton mit ihrer Broschüre «Selbst wenn Sie Fleisch mögen …» so richtig für Stimmung: Ob bio oder nicht, auch der geschäftsführende Vorstand Mahi Klosterhalfen findet in keiner Art von Nutztierhaltung «die Lösung» und lässt unter Tierfreundlichkeit allein die Form rein pflanzlicher Ernährung gelten, und er möchte zeigen, «wie leicht auch uns» die Entscheidung dazu fallen kann

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Ein Kommentar zu Rechtfertigung und Legitimierung des Fleischessens

  1. Michael sagt:

    Die Redaktion von zdf.de lässt Armin Pfahl-Traughber auf ihrer Website fordern, dass Fleischesser sich rechtfertigen sollen. Allerdings ist sie an einer solchen trotz vieler Mails, Anrufe und Hinweise dann demonstrativ desinteressiert. Das ist unfair, unausgewogen, unsachlich, einseitig abhängig und nicht objektiv.

    Es entsteht der Eindruck, dass Fleischverzehr generell nicht zu rechtfertigen ist und viel Leid, Naturzerstörung und Klimazerstörung mit sich bringt. Warum so generell nichts daran stimmt und durch einen maßvoller Fleischverzehr aus agrarökologischer extensiver Wiesen- und Weidehaltung sehr viel mehr sehr verschiedenen Pflanzen, Tiere und auch Menschen ihr Leben, ihr Wohl und ihren Freiraum erhalten, als ohne ihn, ist u. a. hier begründet:

    https://www.fuehlenunddenken.de/leserbriefe/rechtfertigung-und-legitimierung-des-fleischessens/

    Ich fordere von der ZDF-Redaktion und von Pfahl-Traughber eine Rechtfertigung dafür, warum sie Fleischverzehr und Tierhaltung so pauschal verurteilen und ablehnen (lassen). Eine solche en vogue gewordene Stimmungsmache richtet sich gegen Vitalität, Freiheit, Wohl und Leben einer sehr hohen Anzahl wilder und nichtwilder Pflanzen und Tiere.

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