Die armselige Ausgrenzung oder Reichtum durch Aufnahme und Integration

Ich kann nie etwas Anderes wahrnehmen, ohne mich selbst wahrzunehmen, fast ebenso wie ich mich selbst nur wahrnehmen kann, in der Wahrnehmung des Anderen. Meiner Wahrnehmung kann ich zweierlei Schwerpunkte geben, oft sagen wir „Der Tee ist kalt.“ oder andersherum „Ich wärme mich am Feuer.“ Nach gewissen Gewohnheiten und Mustern benennen wir eher das Andere oder uns selbst und vernachlässigen und übersehen gern, dass das eine dem anderen zur Wahrnehmung notwendige Voraussetzung und Bedingung ist: Ohne dass meine Lippen und meine Mundhöhle mit Wärme belebt sind und ohne Energie und Wärme des Feuers, keine konstruktive Wechselseitigkeit für das Spüren und die Reflexion des Eigenen, des Selbst, der Person und andererseits der Eigenheit und Besonderheit des Anderen. Von einem Griff nach einem Einheitsprodukt wir einer Tasse, lässt sich dabei vergleichsweise nur wenig lernen, von einem Stück Holz oder einer Pflanze schon sehr viel mehr, das Essentiellste und für uns Menschen lebensnotwendigste, lerne ich erst und von Beginn mit der Berührung, Kommunikation und Beziehung zu anderen Menschen.

Durch jüngere Studien und Forschungsergebnisse lässt sich gut ableiten und belegen, dass der Reichtum an Freiheit, Menschlichkeit, Leben, Lebendigkeit, Autonomie, Bildung, Intelligenz und Fähigkeit zur emotionalen und mentalen (Selbst)Reflexion, sich zuallererst durch Kooperation und soziale Interaktion entwickelt hat, sich erhalten tut und weiter fortschreiten kann.1 Mittelbar gilt das demnach ebenso in Bezug auf kulturelle, technische und wirtschaftliche Entwicklungen.

Es heißt, wer angesichts von Tyrannei still bleibt, in dem stirbt der Mensch. (Helon Habila) Als er den anderen tötete, tötete die Menschlichkeit in sich selbst. (Arno Gruen) „Mensch“ und „Menschlichkeit“ in der Bedeutung von Leben, Lebendigkeit, Freiheit, Vielseitigkeit, Beweglichkeit, Bildung, Differenzierung, Intelligenz, Sensibilität, Scharfsinnigkeit, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Fülle, Substanz und vielem anderem mehr. Indem wir andere Menschen ausgrenzen, ertrinken, verdursten und verhungern lassen, dem Krieg und ihrer Not überlassen, zerstören und töten wir alles das ebenso in uns selbst und in den Ländern, in denen wir leben. Indem wir andere Menschen willkommen heißen, sie aufnehmen und integrieren, bilden, erhalten und entwickeln wir dies alles in gleicher Weise in uns.

Ich sehe es daher viel mehr als Privileg und große Möglichkeit, in der Lage zu sein, Flüchtlingen zu helfen und mich in Menschen reflektieren und erleben zu können, die aus Ländern und Kulturen kommen, die hier und bei uns mehr oder weniger unbekannt und neu sind. Gelingt es mir ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, so hat jede Hilfe, Solidarität und Arbeit mit ihnen nichts mit Selbstaufopferung und Selbstaufgabe zu tun, sondern ist viel mehr für meine Person im Gegenteil in jeder Hinsicht ein Gewinn.

Ich bekenne mich daher gern und aus elementarem Eigeninteresse zu Art. 1 GG,2 den nachfolgenden Grundrechten und den Menschenrechten der Vereinten Nationen. Für die verfassungsrechtliche Ordnung und Demokratie und Rechtsstaat ist viel mehr die Abschottung und Ausgrenzung von Flüchtlingen eine Gefahr, eine Kultur des Willkommens, der Begegnung und der Aufnahme, wird dagegen viel mehr zu ihrer Vitalität, Substanz und Nachhaltigkeit beitragen. Freiheit und Persönlichkeitsentfaltung, hören nicht bei der Freiheit und Persönlichkeitsentfaltung anderen Menschen auf, sondern sie fangen notwendig und unumgänglich erst bei ihnen richtig an!

Ich halte diesen Statement auch deswegen für notwendig, weil ein Verfassungsrichter wie Udo Di Fabio AD sich und sein Spießbürgertum aus Gründen von Art. 1 GG bemitleidet und überfordert sieht3 und der Regierung Seehofer eine Gefährdung der Grenzen Deutschlands konstruiert hat.4 Eine wirkliche Gefahr für den Reichtum an Freiheit, Bildung, Intelligenz Vielfalt, Substanz, Kultur und Menschlichkeit, geht aber viel mehr von solch einer armseligen und reaktionär-konservativen Paranoia aus.

1 Evolution, Denken, Kultur – Das soziale Gehirn und die Entstehung des Menschlichen; Clive Gamble, John Gowlett und Robin Dunbar 2016 s. a.: Der hohle Krieg oder die Erfüllung des Friedens, ersten drei und letzen vier Absätze & „Die eigenen Freiheit ist nur zu Gunsten und nicht zu Ungunsten der Freiheit anderer Menschen möglich: Das Prinzip Nachhaltigkeit, ersten zwei Absätze. „Einzigartige Fähigkeit zur Kooperation“: Eine kurze Geschichte der Menschheit – Yuval Noah Harari. S. ergänzend auch „dunkle Seite der Kooperation“: Der Siegeszug des Homo sapiens – Spektrum der W. 6/16
2 Art. 1 GG (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
3 Art. 1 ist kein Suizidprogramm der Gesellschaft
4 Gutachten zur Grenzsicherung
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Der hohle Krieg oder die Fülle des Friedens

„Meine Philosophie ist die Freundlichkeit“ (Dalai Lama) „Es sind Mitgefühl und Liebe, die die Wandlung zu einem wahren Selbst möglich machen.“ (Arno Gruen)

Zwei der folgenden Einsichten sind wissenschaftlich gut belegt und die dritte muss meine ich unmittelbar einleuchten, mit ihnen will ich meinen Text einleiten:

  1. Das menschliche Gehirn ist das bei weiten komplexeste was wir im Universum kennen und mit dem wir von Anfang unseres Lebens an durch Begegnungen mit anderen Menschen interagieren.
  2. Das angeborene und individuelle Potential unseres Gehirns, aller anderen Organe bzw. jeder einzelne Zelle,1 wird am stärksten in früher Kindheit weiterentwickelt, geprägt oder vernachlässigt und geschädigt.
  3. Unser Potential und uns selbst können wir erschöpfend nur in der freundlichen Begegnung und auf Augenhöhe mit unterschiedlichen anderen Menschen ausbilden. „Auf Augenhöhe“ und „freundlich“ soll kurz gesagt heißen, dass ich in einer Begegnung mit anderen weder auf sie herabsehe, noch zu ihnen aufschaue, dass wir uns wechselseitig frei von Herrschaft oder Gehorsam unbefangen bewegen müssen und nur so ein Maximum von der anderen Person und uns in ihr wahrnehmen und erleben können.2

Wir lernen insbesondere sehr viel von komplexen Strukturen und Organismen der Pflanzen und Tiere oder auch von Mathematik, künstlerischer Kreativität, dem Gärtnern, von Computerprogrammierung, von Sport und Kultur usw. Nichts von all dem erhält aber eine solch ursprüngliche und entscheidende Bedeutung für unsere Bildung, Intelligenz und Persönlichkeit, wie die Auseinandersetzung, Freundschaft, Beziehung und Liebe zu anderen Menschen. Die Evolution hat vorläufig nichts hervorgebracht, was so komplex, vielseitig und wirksam wäre, wie den menschlichen Organismus bzw. insbesondere sein Gehirn. Nichts kann damit unser Selbst und unsere Persönlichkeit so ursprünglich, vielseitig und erschöpfend bilden, wie ihre Empathie, Spiegelung und Erwiderung in der Vielfalt und endlosen Komplexität anderer Persönlichkeiten. Die Bedeutung und Notwendigkeit dessen ist für uns als Säuglinge und Kleinkinder mehr als ein Wissen; wir sind die Nähe und Berührung zu denen, die uns aufnehmen, uns ansehen und mit uns reden. Wir leben von Beginn an notwendig durch wechselseitige Zuwendung, Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit und Kommunikation und erleiden panische Angst, unsäglichen Schmerz und schließlich den sicheren Tod, wenn sie ausbleiben.3 Weiterlesen

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Klage gegen den Braunkohletagebau Garzweiler

„Ich weiß, wie es um diese Lehre steht. / Es erben sich Gesetz‘ und Rechte / Wie eine ew’ge Krankheit fort; / Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte, / Und rücken sacht von von Ort zu Ort. / Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage; / Weh dir, dass du ein Enkel bist! /  Vom Rechte, das mit uns geboren ist, / Von dem ist, leider! nie die Frage.“ (Mephisto im Faust)

 Klage gegen den Braunkohletagebau Garzweiler (Entwurf!)

Um ohne nennenswerte Konsequenzen und aus Gründen von Stumpfsinn, Gier und Geiz beispiellose Verbrechen an Mensch und Natur zu begehen, gibt es das einfache und sehr zuverlässige Mittel der mittelbar-indirekten und also technisch-industriellen Räuberei und Zerstörung von Lebensgrundlagen der aller wehrlosesten Lebewesen und Menschen. Keine Richter und Staatsanwälte, keine Politiker, und zum Teil auch gerade keine Umweltschützer, Bürger-, Demokratieinitiativen und Menschenrechtsorganisationen, werden aktiv und ermitteln, protestieren bisher lautstark und mit Nachdruck, erstatten Anzeige oder erheben Klage. Am wenigsten jedenfalls im Sinne derjenigen, die in ihrer beschränkten Wahrnehmung nicht vorgesehen sind und wenn ihre weit überverhältnismäßige Betroffenheit noch so offenkundig und einfach einzusehen ist.1 Um ihnen gerecht zu werden, sind Tradition, Sitte, zivilgesellschaftliche Bildung und dergleichen meist untauglich und oft eher ein Hindernis, es braucht viel mehr radikale, unbefangene und grundsätzliche Überlegungen. In dieser seiner wichtigsten Disziplin hat nun der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in der Manier eines Kleinbürgervereins jämmerlich versagt. Braunkohleverstromung gehört zu den effektivsten Mitteln, weltweit und über viele Generationen eine definitiv hohe Zahl von Menschen durch Orkane, Unwetter, Überschwemmungen, Hitze, Feuerstürme und Trockenheit verelenden, verdursten und verhungern zu lassen, ihrer Lebensgrundlage und Heimat zu berauben und sie zu töten und zu morden. Weiterlesen

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Kuhglocken und Käsekelle gegen Massentierhaltung und Agrarindustrie

Wir treiben unser Vieh vorbei an verfallenen Hütten und Melkständen, die Milch der Tiere kann das Kessi nur noch anfüllen, ihr Mist und was sie wegfressen reicht immer weniger, den Blumen, Kräutern und Gräsern ihren Humus und Raum zu schaffen. Zeit auch für uns, sich diesem Rückgang als Teil einer weltweiten agrarökologischen Bewegung  entgegenzustellen. (Text: Bernhard Goebel)

Als Senn bin ich erschrocken und empört über die Quälerei in der industrialisierten Viehzucht und das Ausmass der Zerstörung durch Landwirtschaft. Wie viel Urwald für endlose Rinderherden schon gerodet ist, wie viel Land schon so sehr verödet, vergiftet und unfruchtbar ist oder nur mit einem masslosen Aufwand an Energie, Pestiziden und Kunstdünger noch bewirtschaftet werden kann. Nicht immer und überall allerdings hinterlässt Landwirtschaft eine solche Verwüstung. Kulturlandschaft kann durchaus die Fruchtbarkeit und Vielfalt von natürlicher Wildnis erreichen und sie sogar übertreffen. Um einen solchen Gewinn an Leben für Tier, Mensch und Natur durch Landwirtschaft zu erzeugen, ist die massvolle Nutztierhaltung in vielen Regionen der Erde erforderlich und wünschenswert: Die Überzahl der Rinder auf gerodeten Flächen in Südamerika oder die von Hochleistungskühen in den Grossställen der Schweiz mag noch so gross sein, es ändert nichts daran, dass auf den meisten Alpen mittlerweile (viel) zu wenig Tiere weiden, um den ganzen Reichtum und fruchtbaren Wert ihrer Kulturlandschaft erhalten zu können. Weiterlesen

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Für die Grundrechte einer wachsenden Mehrheit von Menschen

So sicher Wasser am schnellsten in der tiefsten Versenkung verschwindet, so zuverlässig wächst und erhält sich Wohlstand und Reichtum der Industrienationen bisher im Wesentlichen auf Kosten von denjenigen, die am wehrlosesten sind. Es sind die Menschen in besonders betroffenen Regionen des Planeten, Kinder und mehr noch (lang) nicht Geborene. An dieser immer größer werdenden Mehrheit findet tagtäglich eine beispiellose Menschenrechtsverletzung statt, weil sie gerade da Opfer von Lebensgrundlagenzerstörung ist und noch viel mehr sein wird, wo sie kaum bzw. überhaupt gar nicht gegen sie abstimmen, demonstrieren oder klagen kann. Durch keine auch nur etwas bekanntere Person oder Institution wird diese eigentlich so simple Einsicht* bisher aufgegriffen und deutlich gemacht. Weiterlesen

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Aufruf anlässlich des Club of Rome Berichts „2052“**

Menschenrechte, Demokratie und Lebensgrundlagenzerstörung

Die rechtsförmliche Diskussion über die Würde des Menschen und die Auslegung durch den Richter sind ihrerseits, weit mehr als man denkt, von den ethischen Auffassungen der Bürger einer Kulturgemeinschaft abhängig. Diese moralische Urteilskraft ist in dem Wissen von gesellschaftlichen Institutionen gespeichert, die das Grundgesetz besonders schützt: die Familien, die Schulen, die freie Presse, den Rundfunk und die Universitäten, die Religionsgemeinschaften, oder die politischen Parteien.“*

Was neuerdings Leben, Freiheit und Würde des Menschen am meisten bedroht, zerstört und noch viel mehr zerstören wird, ist allerdings von seiner moralischen Bewertung her in krassem Missverhältnis um so weniger in diesen Institutionen gespeichert: Weiterlesen

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Das Prinzip Nachhaltigkeit

Zu vernünftig und zu wenig mitfühlend und sinnvoll

Buchrezension zu „Das Prinzip Nachhaltigkeit“ von Felix Ekardt

Sucht man nach den erfolgreichsten Organismen dieses Planeten, so wird man sicher an erster Stelle Viren finden, ihre Anzahl, Omnipräsenz und Dauerhaftigkeit übertrifft die aller anderen bei weitem. Nicht zuerst deswegen, weil sie eine Zelle so manipulieren können, dass diese bis zu ihrem Ende all ihre Energie aufwenden wird um einen Virus zu vervielfachen, sondern zuerst deswegen, weil sie ihr kleines und besonderes Stück Erbgut in das der Zelle integrieren und, ist diese eine Keimzelle, so potentiell ewig leben können. Erst dadurch, dass sie und ihr Wirt sich in einer möglicherweise allerdings sehr heftigen Interaktion nicht (mehr) töten, werden beide zu Gewinnern und kommen diesem großen Menschheitstraum so nahe. Der Anteil von Viren am Erbgut aller Lebewesen ist erheblich, ohne ihre Innovationen zum Bau neuartiger Proteine und ohne ihre Funktion als Überträger von Erbgut zwischen verschiedensten Organismen, hätte die Evolution sicherlich kaum je ein Säugetier wie den Menschen hervorbringen können.*

Ausgerechnet an einer solchen vergleichsweise so simplen Spezies lässt sich also veranschaulichen, dass sich globale Nachhaltigkeit zunächst aus egoistischen Motiven sehr gut begründen lässt, auch wenn sich schnell zeigt, dass Egoisten in ihrer Selbstbezogenheit immer die dümmeren bleiben werden: Weiterlesen

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Mut statt Wut

Zu zaghaft, widersprüchlich und inkonsequent

Buchrezension zu „Mut statt Wut“ von Claus Leggewie

Die Piratenpartei schreibt in ihrer Präambel, dass die digitale Revolution „die Würde und Freiheit des Menschen in bisher ungeahnter(!) Art und Weise gefährdet. Dies geschieht zudem in einem Tempo, das die gesellschaftliche Meinungsbildung und die staatliche Gesetzgebung ebenso überfordert wie den Einzelnen selbst.“ Mit einer solchen ungeheuer dynamischen Gefährdung sprechen die Piraten eine Herausforderung an, welche viel grundsätzlicher und noch weit lebensbedrohlicher auch von der Industrialisierung ausgeht. Claus Leggewie macht sich diese Herausforderung mit „Mut statt Wut – Aufbruch in eine neue Demokratie“ zum zentralen Thema. Allerdings bleibt er dabei insgesamt viel zu zaghaft, widersprüchlich und inkonsequent: Weiterlesen

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200 Jahre Kinder- und Hausmärchen

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rölleke,

auf der Website von Deutschlandradio Kultur werden Sie mit folgenden Worten zitiert: „Märchen können uns bis heute Antworten auf wichtige Lebensfragen geben, Märchen sind die Aufforderung zur Emanzipation. Sie vermitteln durch den Helden: Nimm dein Schicksal in deine Hand.“

Erlauben Sie mir diese Aussagen bei aller Zustimmung auch zu kritisieren. Märchen sind so vielfältig und können so widersprüchlich sein, wie menschliche Gemeinschaften und Völker vielfältig und widersprüchlich sind: Sinn, Einsicht und Weisheit stehen neben Dummheit und primitivem Ressentiment. Es mag Märchen geben, welche zu Emanzipation auffordern, auch „Rotkäppchen“ war einmal so mutig, schlau und emanzipiert, dass sie ganz ohne Holzfäller oder Jäger mit dem (Wehr)Wolf fertig wurde.* Schon in der Grimmschen Fassung von 1812 allerdings wurde sie zu dem altklugen Kind, welches sich „hübsch artig“ einfügt in die Einschränkung der Mutter.

Der Umgang mit Kindern, wie wir ihnen die Welt und das Leben öffnen und erhalten können, gehört zu den existentiell gewordenen Herausforderungen unserer Zivilisation. Das Grimmsche Rotkäppchen von 1812 kann uns dies in kaum zu übertreffender Art und Weise deutlich machen, zu naiv, unreflektiert und kritiklos weitergegeben, wird es allerdings eine tödliche Entfremdung nur weiter verhärten (Der Weg von Rotkäppchen).

Ich bin sicher, dass damit die Notwendigkeit einer überaus sorgfältigen und gewissenhaften Kritik der „Kinder- und Hausmärchen“ begründet ist. Ich bitte Sie sehr herzlich daran teilzunehmen und freue mich auf einen regen Austausch und Dialog zum 200 Jubiläum ihrer ersten Ausgabe.

Mit freundlichen Grüßen,

Bernhard Goebel

*Paul Delarue „Die Geschichte von der Großmutter“ um 1885 – aus „Rotkäppchens Lust  und Leid“ von Jack Zipes, S. 20

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Was ist Demokratie?

Demokratie, gr. – Macht des Volkes

Was ist Demokratie – In Zeiten des Klimawandels?! Die wörtliche Bedeutung des Begriffs führt uns unter heutigen Bedingungen bestenfalls zu einem veralteten Verständnis, denn mit „Volk“ ist wohl meist das Kollektiv einer Ethnie oder Nation gemeint. Und von ihm wiederum vor allem nur diejenigen, welche gegenwärtig am Besten im Stande sind, ihre Ziele und Interessen zu artikulieren und durchzusetzen. Im Zuge einer rasenden Entwicklung sprengen wir mit technischen Anwendungen immer noch viel extremer als zuvor lokale und zeitliche Grenzen von Völkern und Generationen. Ein erwachsenes Kollektiv in den reichen und mächtigen Nationen des Planeten setzt so auf Kosten einer globalen, zukünftigen und überwältigenden Mehrheit ihre Interessen durch und verletzt so fortwährend und fundamental ihre Rechte auf Freiheit und Leben.

Verständnis und Umsetzung von Demokratie krankt schon an ihrer Herkunft aus der elitär und patriarchal geprägten Kultur und Philosophie des alten Griechenland. Entgegen der wörtlichen Bedeutung des Begriffs, sind wir nach Maßgabe der Menschenrechte heute mehr den je verpflichtet, das freie und selbstbestimmte Leben eines jeden Einzelnen durchsetzen und zwar meist um so mehr, je weiter sich diese in zeitlicher oder räumlicher Ferne zu einer Gemeinschaft oder Nation befinden. (Siehe auch: „Die Frage nach der Glaubwürdigkeit“ und „Von einer projizierenden Kindererziehung zur eigenen Glaubwürdikeit„)

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