Für die Grundrechte einer wachsenden Mehrheit von Menschen

So sicher Wasser am schnellsten in der tiefsten Versenkung verschwindet, so zuverlässig wächst und erhält sich Wohlstand und Reichtum der Industrienationen bisher im Wesentlichen auf Kosten von denjenigen, die am wehrlosesten sind. Es sind die Menschen in besonders betroffenen Regionen des Planeten, Kinder und mehr noch (lang) nicht Geborene. An dieser immer größer werdenden Mehrheit findet tagtäglich eine beispiellose Menschenrechtsverletzung statt, weil sie gerade da Opfer von Lebensgrundlagenzerstörung ist und noch viel mehr sein wird, wo sie kaum bzw. überhaupt gar nicht gegen sie abstimmen, demonstrieren oder klagen kann. Durch keine auch nur etwas bekanntere Person oder Institution wird diese eigentlich so simple Einsicht* bisher aufgegriffen und deutlich gemacht. Weiterlesen

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Aufruf anlässlich des Club of Rome Berichts „2052“**

Menschenrechte, Demokratie und Lebensgrundlagenzerstörung

Die rechtsförmliche Diskussion über die Würde des Menschen und die Auslegung durch den Richter sind ihrerseits, weit mehr als man denkt, von den ethischen Auffassungen der Bürger einer Kulturgemeinschaft abhängig. Diese moralische Urteilskraft ist in dem Wissen von gesellschaftlichen Institutionen gespeichert, die das Grundgesetz besonders schützt: die Familien, die Schulen, die freie Presse, den Rundfunk und die Universitäten, die Religionsgemeinschaften, oder die politischen Parteien.“*

Was neuerdings Leben, Freiheit und Würde des Menschen am meisten bedroht, zerstört und noch viel mehr zerstören wird, ist allerdings von seiner moralischen Bewertung her in krassem Missverhältnis um so weniger in diesen Institutionen gespeichert: Weiterlesen

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Das Prinzip Nachhaltigkeit

Zu vernünftig und zu wenig mitfühlend und sinnvoll

Buchrezension zu „Das Prinzip Nachhaltigkeit“ von Felix Ekardt

Sucht man nach den erfolgreichsten Organismen dieses Planeten, so wird man sicher an erster Stelle Viren finden, ihre Anzahl, Omnipräsenz und Dauerhaftigkeit übertrifft die aller anderen bei weitem. Nicht zuerst deswegen, weil sie eine Zelle so manipulieren können, dass diese bis zu ihrem Ende all ihre Energie aufwenden wird um einen Virus zu vervielfachen, sondern zuerst deswegen, weil sie ihr kleines und besonderes Stück Erbgut in das der Zelle integrieren und, ist diese eine Keimzelle, so potentiell ewig leben können. Erst dadurch, dass sie und ihr Wirt sich in einer möglicherweise allerdings sehr heftigen Interaktion nicht (mehr) töten, werden beide zu Gewinnern und kommen diesem großen Menschheitstraum so nahe. Der Anteil von Viren am Erbgut aller Lebewesen ist erheblich, ohne ihre Innovationen zum Bau neuartiger Proteine und ohne ihre Funktion als Überträger von Erbgut zwischen verschiedensten Organismen, hätte die Evolution sicherlich kaum je ein Säugetier wie den Menschen hervorbringen können.*

Ausgerechnet an einer solchen vergleichsweise so simplen Spezies lässt sich also veranschaulichen, dass sich globale Nachhaltigkeit zunächst aus egoistischen Motiven sehr gut begründen lässt, auch wenn sich schnell zeigt, dass Egoisten in ihrer Selbstbezogenheit immer die dümmeren bleiben werden: Weiterlesen

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Mut statt Wut

Zu zaghaft, widersprüchlich und inkonsequent

Buchrezension zu „Mut statt Wut“ von Claus Leggewie

Die Piratenpartei schreibt in ihrer Präambel, dass die digitale Revolution „die Würde und Freiheit des Menschen in bisher ungeahnter(!) Art und Weise gefährdet. Dies geschieht zudem in einem Tempo, das die gesellschaftliche Meinungsbildung und die staatliche Gesetzgebung ebenso überfordert wie den Einzelnen selbst.“ Mit einer solchen ungeheuer dynamischen Gefährdung sprechen die Piraten eine Herausforderung an, welche viel grundsätzlicher und noch weit lebensbedrohlicher auch von der Industrialisierung ausgeht. Claus Leggewie macht sich diese Herausforderung mit „Mut statt Wut – Aufbruch in eine neue Demokratie“ zum zentralen Thema. Allerdings bleibt er dabei insgesamt viel zu zaghaft, widersprüchlich und inkonsequent: Weiterlesen

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200 Jahre Kinder- und Hausmärchen

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rölleke,

auf der Website von Deutschlandradio Kultur werden Sie mit folgenden Worten zitiert: „Märchen können uns bis heute Antworten auf wichtige Lebensfragen geben, Märchen sind die Aufforderung zur Emanzipation. Sie vermitteln durch den Helden: Nimm dein Schicksal in deine Hand.“

Erlauben Sie mir diese Aussagen bei aller Zustimmung auch zu kritisieren. Märchen sind so vielfältig und können so widersprüchlich sein, wie menschliche Gemeinschaften und Völker vielfältig und widersprüchlich sind: Sinn, Einsicht und Weisheit stehen neben Dummheit und primitivem Ressentiment. Es mag Märchen geben, welche zu Emanzipation auffordern, auch „Rotkäppchen“ war einmal so mutig, schlau und emanzipiert, dass sie ganz ohne Holzfäller oder Jäger mit dem (Wehr)Wolf fertig wurde.* Schon in der Grimmschen Fassung von 1812 allerdings wurde sie zu dem altklugen Kind, welches sich „hübsch artig“ einfügt in die Einschränkung der Mutter.

Der Umgang mit Kindern, wie wir ihnen die Welt und das Leben öffnen und erhalten können, gehört zu den existentiell gewordenen Herausforderungen unserer Zivilisation. Das Grimmsche Rotkäppchen von 1812 kann uns dies in kaum zu übertreffender Art und Weise deutlich machen, zu naiv, unreflektiert und kritiklos weitergegeben, wird es allerdings eine tödliche Entfremdung nur weiter verhärten (Der Weg von Rotkäppchen).

Ich bin sicher, dass damit die Notwendigkeit einer überaus sorgfältigen und gewissenhaften Kritik der „Kinder- und Hausmärchen“ begründet ist. Ich bitte Sie sehr herzlich daran teilzunehmen und freue mich auf einen regen Austausch und Dialog zum 200 Jubiläum ihrer ersten Ausgabe.

Mit freundlichen Grüßen,

Bernhard Goebel

*Paul Delarue „Die Geschichte von der Großmutter“ um 1885 – aus „Rotkäppchens Lust  und Leid“ von Jack Zipes, S. 20

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Was ist Demokratie?

Demokratie, gr. – Macht des Volkes

Was ist Demokratie – In Zeiten des Klimawandels?! Die wörtliche Bedeutung des Begriffs führt uns unter heutigen Bedingungen bestenfalls zu einem veralteten Verständnis, denn mit „Volk“ ist wohl meist das Kollektiv einer Ethnie oder Nation gemeint. Und von ihm wiederum vor allem nur diejenigen, welche gegenwärtig am Besten im Stande sind, ihre Ziele und Interessen zu artikulieren und durchzusetzen. Im Zuge einer rasenden Entwicklung sprengen wir mit technischen Anwendungen immer noch viel extremer als zuvor lokale und zeitliche Grenzen von Völkern und Generationen. Ein erwachsenes Kollektiv in den reichen und mächtigen Nationen des Planeten setzt so auf Kosten einer globalen, zukünftigen und überwältigenden Mehrheit ihre Interessen durch und verletzt so fortwährend und fundamental ihre Rechte auf Freiheit und Leben.

Verständnis und Umsetzung von Demokratie krankt schon an ihrer Herkunft aus der elitär und patriarchal geprägten Kultur und Philosophie des alten Griechenland. Entgegen der wörtlichen Bedeutung des Begriffs, sind wir nach Maßgabe der Menschenrechte heute mehr den je verpflichtet, das freie und selbstbestimmte Leben eines jeden Einzelnen durchsetzen und zwar meist um so mehr, je weiter sich diese in zeitlicher oder räumlicher Ferne zu einer Gemeinschaft oder Nation befinden. (Siehe auch: „Die Frage nach der Glaubwürdigkeit“ und „Von einer projizierenden Kindererziehung zur eigenen Glaubwürdikeit„)

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Was ist Intelligenz?

intellegere, lat. – einsehen, verstehen.

52 international angesehene Experten einigten sie auf folgende Beschreibung: „Intelligenz ist eine sehr allgemeine geistige Kapazität, welche die Fähigkeit zum schlussfolgernden Denken, zum Planen, zur Problemlösung, zum abstrakten Denken, zum Verständnis komplexer Ideen, zum schnellen Lernen und zum Lernen aus Erfahrung umfasst.“* (Bemerkenswert, dass „abstraktes Denken“ für Intelligenz den Experten von zentraler Bedeutung ist, nicht aber anschauliches Denken.) Aus der Beschreibung folgt u. a., dass wir Menschen schlussendlich nicht intelligent sind, einfach deswegen, weil es uns nicht gelingt unsere Probleme zu lösen, also z. B. den von uns verursachten Klimawandel. Voran geht dieser Unfähigkeit zuerst ein Mangel an Einsicht, für sie ist unumgänglich, dass wir entschlossen und entgegen aller Hindernisse uns beharrlich um Wahrheit und Wirklichkeit bemühen. Erst indem wir uns „nach bestem Gewissen“ immer erneut diesen annähern, schaffen wir notwendige Bedingungen für Problemlösungen. Stattdessen aber missbrauchen wir einen Teil unserer Intelligenz oft und in entscheidenden Fällen dazu, um uns und andere etwa über existentielle Probleme zu täuschen. Unserer Intelligenz fehlt so ihre elementare Grundlage und ihr Niveau sinkt noch unter einen niedrigen IQ ins Negative: Bezeichnen wir schon als dumm, wenn einem jegliches Potential zur Problemlösung fehlt, so muss als noch viel blöder gelten, wenn jemand raffiniert und aufwendig sich und andere über Probleme täuscht. Diese bleiben so nicht einfach nur bestehen, sondern werden darüber hinaus immer unzugänglicher und komplexer – Gerade ein hoher IQ ermöglicht eine besonders raffinierte und aufwendige Täuschung, Entfernung und Entfremdung weg von elementaren Realitäten, Wahrheiten und Lösungen.

Solch ein intelligentes Verblöden ist ebenso verbreitet und manifestiert, wie unsere Probleme komplex und existentiell geworden sind. So hindert z. B. die so denkbar simple Einsicht der „Grenzen des Wachstums“ Menschen nicht daran, Verschwendung und Überfluss immer noch effizienter zu beschleunigen; gleich einer extrem effizienten Ineffizienz. Ein Teil der Logik von Ökonomie wird also sogleich und zuerst dazu missbraucht, diese gegen sich selbst zu richten und ad absurdum zu führen. Einer der extremsten Beispiele dafür ist hierzulande sicher die dumme und dreiste Lüge vom „Automobil“. Wie einfach ist dieser Mythos in seinem Exzess und Wahnsinn zu durchschauen und mit wie viel endloser Energie und Verschwendung wird er desto mehr betrieben und aufrechterhalten (Peak Car).

* “Intelligenz, Begabung, Kreativität” – GEOkompakt Nr. 28

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Fukushima

Die Katastrophe von Fukushima hat ihr Gutes darin, dass uns erneut diese Extremsttechnologie hier und jetzt um die Ohren fliegt. Was nun mit einem Male radioaktiv entweicht und explodiert, wäre ansonsten viel mehr im Verborgenen, langsam, vertuscht und verheimlicht nachkommenden Generationen zugefallen: So wie äußere und innere Sicherheitshüllen zerfallen, so zerfallen die Ausblendungen und Lügen von Managern, Lobbyisten und Politikern , diese Technologie beherrschen und verantworten zu können. Es ist an uns konsequent zu handeln, zu demonstrieren, AKW-Förderer abzuwählen, grüne Stromanbieter zu wählen und anderes mehr. Das was wir an technischen Möglichkeiten anwenden und umsetzen und das, was wir verantworten können, klafft z. Zt. in einem ungeheuren Ungleichgewicht auseinander.

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125 Jahre Automobil

An die Redaktionen:

125 Jahre „Automobil“ muss zum Anlass genommen werden, um „Peak Car!“ zum Thema zu machen. Der Mythos „Automobil“ ist längst zu dummen und dreisten Lüge geworden! Er hat längst in die kollektive Massenverkehrsbehinderung geführt und hunderttausende Menschen verkrüppelt und das Leben gekostet. Werden Sie Ihrer journalistischen Verantwortung gerecht und desavouieren Sie diesen Stumpfsinn, diese Lüge und Verblödung.

Der Wahnsinn in jedem x-beliebigen Irrenhaus ist harmlos gegen den stinknormalen Wahnsinn zwischen Raserei und Stillstand auf den Straßen: Seine Fratze besteht darin, dass die ungeheure Dynamik dieser Exzesse sich hinter einer Fassade von Alltag und Normalität überhaupt erst entwickeln können.

Nur viel zu vereinzelt wird dies in den Medien thematisiert. „Wir leben in einer Kultur, die Ihre Alltagstechnologie erotisiert und verherrlicht – allen voran das Automobil.“ (Salman Rushdie) Der vernichtende und tödliche Kult und Mythos vom Auto ist bedingt durch eine entsprechende Verdrängung auch in den Medien. Es ist ihre ureigene journalistische Aufgabe, dem engagiert und offensiv entgegenzuwirken.

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Todsünde

Das wunderbare ist wunderbar, weil es wunderbar ist und nicht, weil es nicht wunderbar ist!

Wollen wir Sünde nennen, wenn unser Tun und Lassen den Menschen schadet, was Leben, Natur und Liebe misshandelt, missbraucht und zerstört, so haben Kirche, Christentum und andere spirituelle Bewegungen sich in Todsünde vergangen mit ihren übersinnlichen Ansprüchen, mit dem in Verbindung bringen von Sexualität mit Erbsünde, Unreinheit und dem Anspruch der Beherrschung und Unterwerfung. In blöder und eifersüchtiger Verachtung können sie was wunder-bar!, sinnlich und natürlich, Sexualität an lebendiger Vielfalt schöpfen und hervorbringen tut, in kruder Verdrehung nur als nebenbei, unwesentlich, sündhaft, niedrig und unrein wahrnehmen und missachten.

Natur und Leben entstehen aus sich selbst heraus, sind allein selbst religiös, es braucht durchaus nichts Übersinnliches, keinen außer- und übernatürlichen Gott der alle erschaffen hat, schon gar nicht als Herrscher. Sexualität als vielleicht unmittelbarster Nachweis für all das, wird in Neid, Schwäche und Angst missachtet.

Wie unreif, niedrig und primitiv sind doch tatsächlich Sinn, Geist und Empfinden, welche sich verklemmen in solcher Verdrehung!

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