Für die Grundrechte einer wachsenden Mehrheit von Menschen

So sicher Wasser am schnellsten in der tiefsten Versenkung verschwindet, so zuverlässig wächst und erhält sich Wohlstand und Reichtum der Industrienationen bisher im Wesentlichen auf Kosten von denjenigen, die am wehrlosesten sind. Es sind die Menschen in besonders betroffenen Regionen des Planeten, Kinder und mehr noch (lang) nicht Geborene. An dieser immer größer werdenden Mehrheit findet tagtäglich eine beispiellose Menschenrechtsverletzung statt, weil sie gerade da Opfer von Lebensgrundlagenzerstörung ist und noch viel mehr sein wird, wo sie kaum bzw. überhaupt gar nicht gegen sie abstimmen, demonstrieren oder klagen kann. Durch keine auch nur etwas bekanntere Person oder Institution wird diese eigentlich so simple Einsicht* bisher aufgegriffen und deutlich gemacht.

Die rechtsstaatliche Demokratie entwickelt und organisiert sich ihrer Tradition und wörtlichen Bedeutung nach effektiv nur innerhalb regionaler und nationaler Grenzen. Noch viel entscheidender als diese räumliche, schließt die zeitliche Eingrenzung ihrer Auslegung und faktischen Umsetzung gerade jene Mehrheit von jeder Repräsentation und Rechtsvertretung aus, deren Würde, Freiheit und Leben von ihr am meisten berührt sind und verletzt werden.

Dieser Widerspruch der Demokratie zu den allgemeinen Menschenrechten und das ebenso etablierte wie oftmals potenzierte Missverhältnis zwischen wachsendem Einfluss einer Minderheit und ihrer gleichzeitig sinkender Betroffenheit,** fehlt in der Auseinandersetzung in Medien, der Fachliteratur, an den Unis oder in der Politik, so gut wie vollständig. Selbst auch Menschenrechts- und Naturschutzinitiativen, versäumen es bisher ihren Kampagnen und Aktionen Nachdruck zu verleihen, indem sie dieser Mehrheit, deren Grundrechte und existentielle Interessen sie hinter sich wissen sollten, explizit und konsequent ihre Stimme geben. Darauf dass sie entsprechend ihrer globalen und viel mehr noch zukünftigen Betroffenheit repräsentiert und vertreten werden, haben diese Menschen ein Grundrecht. Im Sinne meines Aufrufs fordere ich erneut dazu auf es einzufordern. Nicht indem wir irgendwas für sie bestimmen, sondern viel mehr indem wir Eingriffe und Zerstörung ihrer Lebensgrundlage so weit verhindern, dass ihnen Leben, Freiheit und Würde erhalten bleibt.

 

*“Dass wenn jeder ein Recht auf Leben hat, ich meine Lebenseise welche andere betrifft entsprechend veranworten muss und, hat meine Lebensweise neuerdings mittels Technik sehr viel weitreichendere Folgen, meine Verntwortung entsprechend zunimmt, ist als Schlussfolgerung völlig simpel.“ (Das Prinzip Nachhaltigkeit)

**(Die Frage nach der Glaubwürdigkeit)

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Ein Kommentar zu Für die Grundrechte einer wachsenden Mehrheit von Menschen

  1. Wir „Leben in der Vielfachkatastrophe“ (Götz Brandt, Edition Zeitsprung, Berlin 2013), in einer Zeit, in der „Nachhaltigkeit“ inzwischen zu einem Kampfbegriff der Ausbeuter verkommen ist. Das ökologische und vernetzende Denken ist überlebenswichtig geworden, wird aber von den herrschenden Medien systematisch verhindert.
    Wir haben wohl nur noch wenig Zeit, vom Irrweg des ewigen wirtschaftlichen Wachstums angetrieben vom hemmungslosen Profitstreben eines entfesselten Kapitalismus Abschied zu nehmen. Entweder wir schaffen den Kapitalismus ab oder er schafft uns alle ab! (Siehe dazu: Robert Kurz, Schwarzbuch Kapitalismus, Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft, UllsteinTBVerlag, München 2001)
    Es betrifft die Lebensweise aller Menschen, vor allem in den Industrienationen und es wird konkret in allen Dingen, die uns umgeben. D.h. eben viel weniger oder gar kein Bio-Fleisch, keine weiteren Massentierställe, keine giftige Gülle und kein Gift aufs Land, keine fossilen Energien mehr, keine Giftproduktion, globaler Austausch nur da, wo es ökologisch verträglich ist. Keine Flugreisen und absoluter Vorrang für öffentliche Verkehrsmittel sind dann selbstverständlich. Gleichzeitig muss mit viel Aufwand die Natur „repariert“ werden: tausende KM neue Biotopverbundlinien (z.B. in Form von Hecken, Wallhecken und Feldgehölzen) sind zu pflanzen (siehe: http://www.hecke.wg.vu). Es darf nur noch ökologische Boden- und Waldnutzung geben, Humusprojekte (http://www.humus-derfilm.at/fieberhafte-suche-nach-loesungen.html) und Agroforstsysteme (http://oekoregion-kaindorf.at/index.php/arbeitsgruppen/ag-landwirtschaft/agroforstsystem/agroforst) und eine
    Bodenrechtsreform sind notwendig (siehe: Werner Onken, Geld- und bodenpolitische Grundlagen einer Agarwende, Verlag für Soziale Ökonomie, Lütjenburg 2004). Eine solidarische Ökonomie (http://www.solidarische-oekonomie.de/) und eine „Befreiung vom Überfluss“ (Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“, Niko Paech, oekom Verlag, München 2013) drängen sich auf.
    Die Grundrechte der jetzt lebenden Menschen und der nachfolgenden Generationen stehen nur auf dem Papier, wenn wir nicht die konkreten und materiellen Voraussetzungen jetzt gemeinsam schaffen! (siehe auch: http://www.attac-netzwerk.de/wendland/atomianer)

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