Im Schatten des Interseins

16. März 2010

Lieber Thich Nhat Hanh, liebe Helga und lieber Karl Riedl, liebe Sanga,

auch das Intersein ist nicht so erleuchtet, dass es nicht Schatten wirft, welche zuweilen dunkler und größer sind als Sie wahrnehmen mögen. Ihre Sangha ist geneigt sich von Realitäten abzuheben, welche gerade in dieser Weise vernachlässigt eine beängstigende Dynamik entwickeln. Allein Ihr Reden und Schreiben von Frieden und Harmonie, Offenheit und Verständnis, einer spirituellen Dimension, von reinem Gewahrsein, von Liebe, Heilung, Freude, Glück und leidfreiem Ich, bringt eine Parallelwelt hervor, in welcher Streit, Verletzung und Leid um so heftiger eskalieren. Sind Fähigkeiten der Kritik und des Konflikts, der Auseinandersetzung, der Diskussion, Konfrontation und Leidenschaft schon mit solch einseitiger Zuwendung und Aufmerksamkeit vernachlässigt, so werden sie noch dazu an mancher Stelle direkt als destruktiv abgewertet.

Für kritik- und konfliktscheue Menschen machen Sie sich damit zum Ort der Anziehung. Dass wesentliche Anteile des Lebens sich in den Schatten des Interseins abspalten und damit Ihrer Wahrnehmung immer unzugänglicher werden, hat einen weiteren wichtigen Grund: Nach dem Wortlaut der siebten Achtsamkeitsübung, „findet das Leben nur im gegenwärtigen Moment statt und es ist nur möglich im Hier und Jetzt glücklich zu leben“. Auch hier werden in der Folge auf eine solche Fokussierung, andere räumliche und zeitliche Dimensionen abgewertet: Man solle sich nicht verlieren in Zerstreuungen, im Bedauern über die Vergangenheit oder in Sorgen über die Zukunft.

So wichtig es sein mag etwa vor Zerstreuung zu warnen, es fehlen wie an anderer Stelle auch konstruktive Entsprechungen: Freie Assoziation, Phantasie und Vorstellungskraft bilden wesentliche Fähigkeiten sich aus Engstirnigkeit, verhärteten Mustern und Gewohnheiten zu lösen. Nicht selten setzt gerade das den Mut zum Verlust von vertraut gewordenem voraus. Und zeichnet sich nicht gerade das menschliche Bewusstsein dadurch aus, dass es sich über Zeit und Ortsgrenzen hinaus ausdehnen kann und ist nicht gerade das so notwendig geworden in dieser Gegenwart? Ein Mangel an Gegenwartsbewusstsein ist grundsätzlich nicht weniger destruktiv als ein Mangel an Vergangenheits- oder Zukunftsbewusstsein. Unser Leben wird reicher und sinnvoller, wenn wir es in einem Gleichgewicht aus allen ergänzen und nicht etwa drei gegenüber zweien vernachlässigen. Lassen Sie sich einladen, ebenso in vergangener, zukünftiger und räumlicher Entfernung zu fühlen und zu denken und auch darin lebendig zu sein. Es ist wie nie zuvor Bedingung geworden für Lebendigkeit und Leben der globalen und zukünftigen Menschheit. Da Sie an anderer Stelle so engagiert und deutlich für eben das eintreten, ist zumindest missverständlich, dass Sie so pauschal und oft dazu auffordern, einfach und alsbald zum gegenwärtigen Moment zurückzukehren.

Sie und ich etwa brauchen uns allerdings wohl wirklich nicht so sehr sorgen um unsere Zukunft, da wir nicht mehr so lange leben. Auch gehören wir zu den Privilegierten mit ausreichend Wasser, Nahrung und Wohnraum. Diejenigen aber weit abseits des Hier und Jetzt in den armen und ärmsten Regionen des Planeten leiden und hungern auch durch unsere Nachlässigkeit. Ebenso nachkommende Generationen; bis weit in die Zukunft wird ihnen unser Erbe zur tödlichen Bedrohung. Es ist ein Gebot der Achtsamkeit, dass wir unser Bewusstsein und Gewissen in ihre globale und bis weit in die Zukunft reichende Betroffenheit ausdehnen und dies zu unserer Handlungsgrundlage machen.

Zu einer achtsamen, in alle Richtungen gehenden Wahrnehmung gehört weiterhin als wesentlicher Teil ein Geschichtsbewusstsein, welches nicht bloß abstrakt angesehen, sondern vielmehr auch lebendig sein soll. Ich weiß von vielen Menschen, welche Opfer von Vertreibung, Gefangenschaft, Krieg und Völkermord geworden sind, wie essenziell für sie ist, dass ihr Leid in unserer Erinnerung lebendig bleibt.

Unausweichlich für ein tiefes Verständnis des menschlichen Seins ist schließlich die lebendige Erinnerung an die eigene Kindheit. Missachtung und falsche Liebe, welche wir alle in der ein oder anderen Weise erfahren, und erfahren lassen, wirken auf Kinder in einer unmittelbar und direkten Weise, welche für sie existentiell und lebensbedrohlich ist. Erkennen wir diesen Schmerz und diese Angst nicht und sind wir nicht bereit diese zu fühlen, geben wir die endlose Geschichte von Zerstörung, Krieg, Terror und Menschenverachtung an unsere Umgebung und an unsere Nach-kommen weiter. Aussagen mit dem Inhalt, man solle Vergangenes nicht bedauern oder etwa, uns wären die Bedingungen für das eigene Glücklichsein allein durch unsere geistige Haltung bereits gegeben, verschleiern so pauschal formuliert diese Einsicht. Mögen sie ansonsten auch ein noch so waren Kern haben.

Das Unglück von Kindern, beleidigt, beschimpft und bedroht zu werden, ist gewiss nicht begründet in ihrer geistigen Haltung. Dies gilt besonders, durchaus aber nicht nur für Kinder: Werden Menschen vertrieben und nimmt man ihnen ihre Lebensgrundlage und Freiheit, so sind ihnen wesentliche Bedingungen genommen um glücklich zu leben. Eine geistige Haltung kann oft nur dann zum Glücklichsein führen, wenn sie beinhaltet äußere Umstände zu reflektieren und aktiv zu ändern. Die Neigung, Glück allein und immer durch geistige Haltung erlangen zu wollen würde bedeuten, sich um den Preis von Illusion und Abspaltung von äußeren Umständen eine Scheinwelt zu bauen.

Ich will einen weiteren wichtigen Grund nennen, warum nach meiner Wahrnehmung das Intersein eine düstere Parallelwelt mitverursacht bzw. durch fehlenden Einsicht verhindert, dass diese sich erhellen und lösen kann: Es ist die mangelnde Übung der Kritik gegenüber sich selbst und Anderen, der Mangel an Wertschätzung von Dialog, eingehendem Austausch und Auseinander-setzung sowie auch fehlende Entschlossenheit, Konflikte und Leidenschaften anzunehmen und durchzuhalten. Alles das ist unumgänglicher Teil dessen, was Sie an Kommunikation, Versöhnung, des Nicht-Haftens an Ansichten und voneinander Lernens üben wollen. Und zwar umso mehr, da Sie darüber hinaus auch deutlich Stellung beziehen und Unrecht beim Namen nennen wollen, selbst dann, wenn dies die eigenen Sicherheit gefährden sollte.

Ich erlebte des öfteren wie rasch Einwände, Kritik und Bedenken Ihre freundliche Zuwendung und Offenheit kraftlos werden ließen, ja zuweilen in Angst und Unwillen wandelten. Das aber führt denke ich besonders auch in Europa zu Polarisierungen und Mängeln an Kommunikation und verhindert, dass Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen sich immer besser verständigen und zu den Gemeinsamkeiten finden, welche ein beständig-friedliches Zusammen-leben erst ermöglichen.

Dass Ihnen bewusst ist, wie viel Leid ein Mangel an Kommunikation verursachen kann, und dass Sie keine Anstrengung scheuen wollen diese aufrechtzuerhalten, ermutigt mich diesen Brief zu formulieren und Ihnen zuzusenden. Als ich im Herbst 08 das Intersein besuchte, kamen Sie meinem Wunsch nach Dialog nicht entgegen, ich wurde vielmehr mit Ihrer Beurteilung meiner Wahrnehmungsschwäche und fehlender Erfahrung alleingelassen. Sie scheinen keine Ahnung zu haben, wie viel Unfrieden allein dies Ausweichen gegenüber meinen Bedenken und Einwänden nach sich zog. Ich bitte Sie sehr herzlich, einen Dialog mit mir aufzunehmen und fortzuführen, dass Leid und Ruhelosigkeit sich lösen können.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Goebel

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19 Antworten zu Im Schatten des Interseins

  1. Joseph Pham sagt:

    -http://nhabaovietthuong-uk.blogspot.de/p/thich-nhat-hanh-kp-agent-in-monks-robes_3.html
    -http://vn-buddhist.blogspot.de/2012/08/thich-nhat-hanh-ein-kp-agent-im_28.html

    -THICH NHAT HANH – A KP AGENT IN MONK’S ROBES – THE TRAILS OF BLOOD OF THE „UNIFIED BUDDHIST CHURCH OF VIETNAM“
    OR HOW THE VIETNAMESE COMMUNIST PARTY
    EXPLOITS THE POWER OF BUDDHISM AS AN INSTRUMENT OF POWER.
    (Part 1)
    -THICH NHAT HANH – EIN KP AGENT IM MÖNCHSGEWAND UND DIE BLUTSPUREN DER VERBRECHEN DER „UNIFIED BUDDHISTIC CHURCH OF VIETNAM“
    ODER WIE DIE VIETNAMESISCHE KOMMUNISTISCHE PARTEI
    DEN BUDDHISMUS ALS MACHTINSTRUMENT AUSNUTZT.
    (Teil 1.)

  2. Luigi sagt:

    Ich denke an die Worten von G.K.Chesterton:

    Entschuldigung wenn ich vielleicht ein bisschen übertreibe…aber ich behaupte dass meine Mutter , die ganz normal geduldig und liebevoll, 3 Kinder groß erzogen hat etwas Ängstlich war und niemals eine “ Aufmerksamkeit Übung “ erledigt hatte, viel VIEL weiter als dieser spießige Thích Nhất Hạnh und deren Begleitung war. Thích Nhất Hạnh braucht bei Aldi arbeiten und nach 6 Monate 2 Wochen Ferien ans Meer. Echte Leben hilft gegen Überheblichkeit und Träumereien.

  3. Kauth Amalie sagt:

    noch ein Kommentar von mir zu ihrer Erfahrung mit Intersein.
    Vielleicht haben sie nicht die Aufmerksamkeit erhalten die sie gesucht haben, das tut mir wirklich leid, es gibt in der Tat einige in der Gemeinschaft die, sagen wir es mal so, ein wenig abgehoben sind. Die Erfahrung habe ich aber ausschließlich bei deutschen Mitgliedern gemacht und niemals bei ordinierten Nonnen und Mönchen.
    Und was die schmerzhaften Prägungen aus der Kindheit betrifft, kennen sie die Seminare von Thay Phap An vom Kloster EIAB in Waldbröl?
    Ich habe an seinem Seminar „das innere Kind umarmen“ teilgenommen und das ging mehr als tief in die Abgründe des seelischen Leidens eines Kindes.
    Viele Teilnehmer wurden (manche zum 1. Mal) mit ihrem verdrängten schrecklichen Schmerz aus ihrer Kindheit konfrontiert, viele sind in Weinkrämpfen zusammengebrochen.
    Thay Phap An ist es dabei nicht nur gelungen, diese ganzen Erlebnisse aus der Verdrängung hervor zu holen, er konnte auch ausführlich und verständlich die Entstehung und die physisch-psychischen Zusammenhänge erklären.
    Was aber das Wichtigste war, er hat den Weg aus diesem Leiden aufgezeigt und auch mit einer geführten Energie-Meditation die Blockaden zum transformieren gebracht.
    Ich habe eine CD dieser Meditation und mache sie immer dann, wenn ich Prägungen aus der Kindheit feststelle.
    Es hilft mir unglaublich gut und ich fühle mich befreit. Dieses Seminar hat einiges in meinem Leben und in mir verändert.
    Hoffentlich wird das Seminar vom inneren Kind weiter im EIAB angeboten.
    Für Thay Phap An ist es wahrscheinlich ein Kraftakt und kostet ihn auch selbst viel Anstrengung, vermute ich mal.
    Lieber Bernhard, vielleicht geben sie der Sangha noch eine Chance? Bitten sie um ein Gespräch mit Thay Phap An.
    Die Sangha besteht nicht nur aus den Leuten die sie so enttäuscht haben.
    Alles Liebe für sie
    Amalie

  4. M. Eberhart sagt:

    Ich denke es handelt sich hier leider um ein weit verbreitetes Missverständnis. Im Augenblick gegenwärtig zu sein hat nichts mit Flucht vor der Realität zu tun – Ganz im Gegenteil. Wenn man sich Vergangenheit und Zukunft vor Augen führt, ohne sich die Wurzeln im Augenblick ausreißen zu lassen, wird man ihnen sogar gerechter.
    Viele Menschen, die gerade erst mit der spirituellen Suche beginnen, nutzen diese fast unausweichlich zunächst als Flucht und Rückzug vor der „überwältigenden Realität“. Das ist aber nur eine fallweise vielleicht sogar notwendige Phase und der Weg führt später mit gereinigter Sichtweise in die Welt zurück (sofern man geduldig auf dem Weg bleibt und bereit ist, seine Träume vom Glück platzen zu lassen)
    Daran scheitern zugegebenermaßen auch Einige.

    • Bernhard sagt:

      In meinem offenen Brief schreibe ich nicht, dass Gegenwärtigkeit immer und notwendigerweise mir Flucht zu tun haben muss. Ich wende mich viel mehr konkret gegen die meines Erachtens viel zu kategorische und ausschließliche Aussage, dass „das Leben nur im gegenwärtigen Moment stattfindet und es nur möglich ist im Hier und Jetzt glücklich zu leben“. Ohne zu leugnen, dass es sinnvoll sein kann vor Zerstreuung zu warnen, wird in Buddhas Lehre und vor allem auch in der Umsetzung eines Thich Nhat Hanhs allerdings das Gegenwärtige und das Hier und Jetzt, viel zu einseitig und zu Lasten der freien Assoziationen in alle räumlichen und zeitlichen Dimensionen, von Nachtempfindung und Nachdenklichkeit, hervorgehoben und überbewertet. Warum aber sollten meine lebendigsten Wurzeln ausgerechnet und immer nur im Hier und Jetzt sein? Ich kann mich innerhalb meines Lebens und seines Prozesses sehr wohl und sehr gut ebenso in einer Erinnerung und in Vergangenem verwurzeln, ausfüllen und verwirklichen oder abwechselnd auch in der Freude auf, oder Idee von der Zukunft. In meinem Brief habe ich erläutert und begründet, warum ich es destruktiv finde, räumliche und zeitliche Dimensionen und das Leben oder die Verwurzelung in ihnen, gegeneinander ab- oder aufzuwerten.

      Gerade Buddhisten sollten sich meines Erachtens zudem viel mehr die Frage stellen, warum sie nicht viel mehr vor einer Flucht in das Gegenwärtige und das Hier und Jetzt warnen und wie sie der Gefahr begegnen wollen, im Leben oder in Meditation um das Hier und Jetzt, den Bezug zu Realitäten der anderen räumlichen und zeitlichen Dimensionen zu verlieren. Ich meine, Sie nehmen diese Gefahr auch in Ihrem Kommentar nicht ernst genug.

      Sehr fragwürdig finde ich auch Ihre Darstellung „des spirituellen Weges“ und der „gereinigten Sichtweise“ auf die Welt: Leben und Natur sind nicht vor allem irgendwie „rein“ und klar und es gibt schon deswegen sicher nicht den bestimmten Weg, sie nachzuempfinden, zu reflektieren und wahrzunehmen:

      „Wir können lebendig und gesund nennen, wenn wir in uns eine bewegliche und vielfältige Struktur und Matrix erzeugen (wie eine Baumkrone in Sonne und Wind) auf der wir in endlosen Assoziationen und Vernetzungen (auch hinein in alle zeitlichen und räumlichen Dimensionen!) abbilden was in und um uns ist, es aufnehmen, umwandeln, realisieren und wiedergeben – immer in einer Balance aus dem Flattern und Flirren unterschiedlichster und blitzschneller Reflexionen und ihrer Sammlung in die ruhige Bewegung der lange gewachsenen und einfach zu folgenden Struktur.“ (http://www.fuehlenunddenken.de/meine-seite-und-ich-3/krankheit-und-heilung/) Bitte beachten Sie dazu auch „Ziele der Vielfalt und Weite“ http://www.fuehlenunddenken.de/buddhismus/ziele-der-vielfalt-und-weite/, „Lebendige Wahrnehmung“ & „Angst vor dem Endlosen und Sehnsucht nach Sicherheit“ http://www.fuehlenunddenken.de/drei-essays/fuhlen-und-denken/

      Es gibt nicht „den Weg“ und noch weniger „den spirituellen Weg“, das Leben die Natur und sich selbst zu erkennen, wahrzunehmen und zu verwirklichen. „Der Weg“ war viel mehr schon immer ein Mittel, sich einzugrenzen und unempfänglich und unsensibel für die unendliche Vielfalt, Weite und Komplexität des Lebens zu werden. (S. dazu auch http://www.fuehlenunddenken.de/drei-essays/der-weg-von-rotkappchen/)

      • M. Eberhart sagt:

        Ich möchte den Begriff „Spiritueller Weg“ hier nochmal aus meiner Sicht beschreiben. Es gibt nichts zu entdecken, das in unserem alltäglichen Leben nicht von je her vorhanden war und immer sein wird. Wäre ein Menschenleben lang genug, dann würde uns das Leben unweigerlich so weit „abschleifen“, dass wir uns irgendwann keinen Illusionen mehr hingeben würden. Wir würden erkennen, dass das Leben ein Prozess ist, der sich – und damit auch uns – ständig verändert. Es gibt keinen unveränderlichen Kern in uns, an den wir uns klammern könnten, also müssen wir uns dahin entwickeln, das Leben zuzulassen, so wie es ist – Augenblick für Augenblick.

        Ein ernsthaft beschrittener, spiritueller Weg sollte diesen Lebensschliff unterstützen und ihm mit einem tief empfundenen „Ja“ begegnen. So gesehen sind spirituelle Praktiken nichts Besonderes, sondern sie sollen den Gang der Dinge nur unterstützen. Es gab und gibt viele spirituelle Lehrer, die diesen alltäglichen und natürlichen Charakter der spirituellen Suche sehr betonen und auf der anderen Seite gibt es manche Schulen, die mit viel TamTam und Brimborium eben doch etwas Besonderes sein wollen.

        Um die „Fluchtgefahr“ verstehen zu können müsste man zunächst fragen, aus welchem Grund sich Menschen auf eine spirituelle Suche begeben. Zumeist macht den Anfang ein tief empfundenes Gefühl, dass mit der Welt oder einem selbst etwas nicht stimmen kann. Zunächst mal ist man mit dieser schmerzhaften und oft existenziellen Empfindung überfordert. Nun gibt es tausende Alternativen, wie man mit diesem Zustand umgehen kann. Die meisten davon haben mit Flucht zu tun. Bei der Flucht in das Gegenwärtige/Spirituelle besteht allerdings der Unterschied, dass man gute Chancen hat, durch diese Phase hindurch zu gehen, ohne sich endlos im Kreis zu drehen (sogar wenn man Brimborium praktiziert).
        Ich traue dem Leben da einfach zu, dass es dem Fliehenden zu gegebener Zeit die Augen öffnet. Eine Flucht ins Spirituelle ist jedenfalls ungefährlicher als in den Drogenmissbrauch oder aggressives Verhalten. Wünschenswert wäre selbstverständlich eine Begleitung durch einen erfahrenen, spirituellen Lehrer, der um die Fluchtgefahr weiß und geeignete Hinweise geben kann.
        Ich habe öfters erlebt, dass Menschen aber zunächst mal so froh und begeistert sind, das Leben spirituell austricksen zu können, dass es einfach Jahre dauern kann, bis aus dem Wegrennen ein Zulassen wird. Das finde ich vollkommen natürlich/menschlich.

        Mit der „gereinigten Sichtweise“ meinte ich den Wandel vom Manipulativen zum Zulassenden. Die Natur der Welt hat sich nicht verändert, aber der Drang, unbedingt etwas entfernen, hinzufügen oder korrigieren zu müssen steht nicht mehr so stark zwischen Mensch und Welt.
        Das haben die Buddhisten auch nicht gepachtet, denn der Satz „Dein Wille geschehe“ steht in einem anderen Buch und meint doch das Selbe.

        • Bernhard sagt:

          Sie formulieren Überzeugungen, die einerseits sehr weit reichen und in hohem Maße Allgemeingültigkeit beanspruchen – und andererseits unbegründet bleiben. Sie scheinen gerade in Ihrer letzten Antwort Ableitungen und Erläuterungen einfach nicht für nötig zu halten, vielleicht so etwa nach dem Motto: Buddha hat sich für erleuchtet gehalten und ich bin ihm und seinen Lehrern darin immer gefolgt, dass aber gerade in diesem Anspruch der Erleuchtung des Buddha, der grundlegendste und schrecklichste Irrtum enthalten sein könnte, scheint Ihnen und den meisten, die sich Buddhisten nennen, eigentlich nie mehr einsichtig und möglich zu sein:

          „Es gibt nichts zu entdecken, das in unserem alltäglichen Leben nicht von je her vorhanden war und immer sein wird.“ Für mich schwebt dieser Satz und seine Behauptungen frei erfunden und sinnlos im Raum! Was soll das sein „unser alltägliches Leben“? Warum „unser“? Warum „alltäglich“? Hat Buddha das gesagt oder Ihrer Meinung nach gemeint? Oder steht er in der Bibel oder in der Genesis? Buddha aber war nun einmal vielleicht(!) auch nur ein Mensch wie Sie, oder Ihr Nachbar, oder wie ich, nur mit dem wesentlichen Unterschied, dass er sich einer – wenn nicht der furchtbarsten Illusion hingegeben hat, sich für erleuchtet zu halten. Und die Bibel – sie kenne ich besser als den Buddhismus und seine Lehre – war und ist sicher nicht das Buch der Bücher (sondern m. E. ein überlanges Märchen), in ihr stehen viel mehr viele Weisheiten und kostbare Einsichten gleich neben zahlreichen oder viel zahlreicheren primitiven Dummheiten und Ressentiments.

          Das leben von Pflanzen, Tieren und Menschen, muss und sollte uns nie alltäglich sein, seine Evolution oder etwa beständige Veränderung und Erneuerung in den Jahreszeiten, ist so geheimnisvoll und wunderbar, so voller Schönheit und Überraschungen, voller Vielfalt und Lebendigkeit, dass kein Tag uns alltäglich und gleich wie der andere sein brauch und sein sollte.

          • M. Eberhart sagt:

            Es ist schwer, hier auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
            Wir stehen im Obstgarten und Sie jonglieren mit Konserven.
            Ich rede von den Früchten am Baum und Sie fragen mich nach dem Etikett.
            Den Unterschied kann man nicht beschreiben, aber schmecken. Da reicht schon ein kleiner Bissen.
            Die Früchte aus der Dose schmecken vielleicht sogar manchmal besser, aber ich spare mir lieber das Regal und lebe von der Hand in den Mund.

  5. Bernhard sagt:

    Sie formulieren erneut Feststellungen ohne sich irgendwie um Ableitungen, Begründungen oder Erläuterungen zu kümmern. Sie lassen unbeachtet, dass es hier um den Willen und die Fähigkeit zum Dialog und zur Kommunikation geht, die von Thich Nhat Hanh und dem Intersein-Zentrum zum Kern Ihrer Praxis und Achtsamkeit gemacht werden, im Zweifelsfalle und an Hand einer konkreten Herausforderung aber missachtet und ignoriert werden.

    Vor allem Ihr letzter Kommentar bewegt sich schon sehr in die Nähe eines Trollschreibers, der ohne Reflexion, Überlegung und Nachempfindung, irgendwelche „Schüttelaussagen“ niederschreibt ohne irgendeinen sinnvollen Bezug zu Aussagen, Argumenten und Fragen Ihres Dialogpartners.

    Ihre Worte sind Geschwätz, die sich noch dazu in Richtung Verleumdung und Lüge bewegen, indem Sie mich ohne jeden benannten Grund und Anlas als Konservenjonglierer bezeichnen, als jemand der nur nach dem Etikett fragt, während ihm die Frucht, der Kern und die Natur der Sache entgeht. Sich selbst und irgendeine nicht näher bezeichnete Gemeinschaft, erheben und stilisieren Sie dagegen in die Mitte eines solchen Gartens, das ist so schwach, so durchsichtig, so missachtend und ohne jede Einsicht, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit gegenüber einer solchen Illusionen, der Sie sich hier öffentlich hingeben. Sie verachten damit am meisten sich selbst, Ihre Praxis, Ihren spirituellen Weg und Ihre Gemeinschaft.

  6. Buschfrau sagt:

    Liebe Bernhard,

    ich danke Dir sehr für Deinen Artikel, der Dinge sehr klar auf den Punkt bringt, die für mich auch nicht stimmig sind im Interseinorden, und zwar sowohl bei den Laien, als auch bei den monastischen Mitgliedern. Ich habe 3,5 Jahre Europäischen Institut für angewandten Buddhismus von Thich Nhat Hanh in Frankreich und Deutschland gelebt, mitgearbeitet, studiert und praktiziert, und bin am Ende schwer traumatisiert herausgekommen.
    Die Gründe für die Traumatsisierungen liegen u. a. in der immensen Diskrepanz zwischen der Lehre von Thich Nhat Hanh und der Praxis der monastischen Sangha und Laiensangha und dem hohen Anteil an Schatten in diesem Umfeld, wo viele der Laienmitglieder und einige der monastischen Mitglieder so tun, als seien sie erleuchtet, bessere Menschen, eine Elite, während andere, nicht formal ordinierte Menschen, so wie ich, mit sehr wenig Wertschätzung am untersten Rand der Hierarchie der Gemeinschaft gequält werden .
    Ich erlebe es als sehr hilfreich für mich, Ihren Blick in punkto Schatten nachzuvollziehen, denn das habe ich erlebt. Es gibt bei allen Ordinierten ein für Menschen übliches Gewalt – und Aggressionspotential, das aber ein Schattendasein führt und regelmäßig massiv verleugnet und unterdrückt wird. Obwohl es anders unterrichtet wird, wird von allen so getan, dass sie das Gewaltpotential nicht haben bzw. vorgegeben, dass sie dieses Potential längst verwandelt haben. Nach meiner Beobachtung ist da der Wunsch die Mutter dieser Idee. Die Bewusstheit über das eigene Gewaltpotential ist kaum oberhalb der Nachweisgrenze und das unbewusste Agieren da heraus ist die Regel, von der es einige wenige Ausnahmen gibt. Das macht das Gewaltpotential um ein Vielfaches schlimmer. Es wird zuhauf Aggression „unter dem Teppich“ rüber geschoben, und diese versteckten Aggressionen wirken bekanntermaßen noch zerstörerischer, als offen ausgedrückte Aggression.
    Nach meiner Beobachtung gibt es eine tiefe Einsicht in die Wahrheit der Lehren von Thich Nhat Hanh über die Kommunikation, für die es noch keine stabile tiefgehende umfassende Umsetzung gibt und auch nicht die persönliche Reife der einzelnen Mitglieder. Es gibt lediglich einen tiefen Wunsch, niemanden durch Kommunikation verletzen zu wollen und aus diesem Wunsch heraus alle Aggression zu unterdrücken, runterzuschlucken und wie das dann so passiert mit solchen Aggressionen, sie bahnen sich ihren Weg in emotionaler Brutalität unterm Teppich. Darüber gibt es aber keinerlei fachliches Know-how.
    Ebenfalls fehlt fast jegliches fachliche Know-How in Sachen Trauma und heilsamem Umgang mit Trauma. Es fehlt ebenfalls das Know-How, wie traumatisierend Hierarchien, wie sie in diesem Orden gelebt werden, sein können. Obwohl Deutschland eine schlimme Geschichte mit Hierarchien hat, wird dies nicht so gelebt.

    Fazit für mich: es gibt wunderschöne Theorien und Konzepte, und die Menschen, die sie wirklich umsetzen können, sind noch nicht geboren. Dies wird aber verleugnet. Man wird darüber nicht informiert. Man wird nur dazu angehalten, „den Fehler“ bei sich selbst zu suchen. Das halte ich für emotionalen und spirituellen Missbrauch von Menschen. Auch dafür gibt es keine Reflexionsfähigkeit und – Bereitschaft bei den meisten Ordensmitgliedern – nach meiner Beobachtung.

    Ich habe darüber noch nicht in der Öffentlichkeit geschrieben, und mein KOmmentar hier ist der erste, wo ich wage, mich zu zeigen. Ich suche noch nach geeigneten Wegen, wie ich darüber – auch z. B. auf meiner Homepage – schreiben mag.

    Alles Gute für dich und HERZliche Grüße von
    der Buschfrau
    Auch mag ich ihren Blick darauf, dass zwar Kommunikation als so so wichtig erachtet wird, dass aber eigentlich kaum jemand diese Kommunikation beherrscht und es immer passiert, dass es – so wie sie das erlebt haben – keine kritische Auseinandersetzung damit gibt und erst recht keine alle einschließende Kommunikationskompetenz , wo Kritik ausreichend reflektiert und umgesetzt wird.

    • Buschfrau sagt:

      Uuuups! Da bin ich zwischen „Du“ und „Sie“ gesprungen und ein Absatz hat sich aus Versehen hinter das Ende des Kommentars geschmuggelt 😉

      • Michael sagt:

        Liebe Buschfrau,

        vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar und deine Zustimmung und Ergänzungen aus deiner persönlichen Erfahrung heraus. Ich finde, an deinem Beitrag wird ein weiteres Mal deutlich, wie destruktiv und traumatisierend (formal festgelegte) Hierarchien wirken. Ich denke sie machen wahnsinnig, führen zu einem Gefühl der Leere und und machen und rasend: Weil wir andere Lebewesen uns uns selbst in ihnen nur auf Augenhöhe ganz wahrnehmen und erleben können … (vergl. z. B.: Der hohle Krieg oder die Fülle des Friedens https://www.fuehlenunddenken.de/2015/01/27/der-hohle-krieg-oder-die-erfuellung-des-friedens/)

        „Fazit für mich: es gibt wunderschöne Theorien und Konzepte, und die Menschen, die sie wirklich umsetzen können, sind noch nicht geboren.“ (Zitat von dir) Ich finde allerdings, dass z. B. du allein mit deinem Beitrag schon viel von dem in dir hast lebendig werden lassen. Zwei Menschen fallen mir ein, die sehr viel umgesetzt haben, ich las (bzw. hörte) erst kürzlich Texte und Biographien von Ihnen: Das Tagebuch der Anne Frank (gelesen von Fritzi Haberlandt) und „Flamme sein!“ (Hans Scholl, Weiße Rose).

        Alles Gute wünsche ich dir auch! Bernhard

  7. Boris sagt:

    Interessant ist, dass es im Intersein-Zentrum Hohenau vor einigen Jahren zu einem großen Knall kam, ausgelöst offenbar durch einen Konflikt zwischen dem Leiterehepaar und der übrigen Sangha. Sämtliche Mitglieder der Sangha sind daraufhin ausgezogen. Was mich sehr nachdenklich gemacht hat, ist die Tatsache, dass dieser Vorgang in den Rundbriefen des Zentrums mit keinem Wort angesprochen wurde. Sollte es tatsächlich so sein, dass bei aller intensiven Praxis keinerlei Fähigkeit zur Konfliktlösung herausgekommen ist und man das aus Scham nicht öffentlich eingestehen wollte? Das würde darauf hindeuten, dass man nicht bereit ist, sich der eigenen Unzulänglichkeit (die wir alle haben) offensiv zu stellen, sondern stattdessen lieber ein bestimmtes Image aufrechterhalten will.

  8. Dr. Richárd V. sagt:

    Sehr geehrter Herr Bernhard, sehr geehrte Kommentatoren,

    ich bin durch Zufall auf diese Seite gelangt und obschon ich normalerweise nicht zu den Menschen gehöre, die Kommentare abgeben- kann und will ich Ihre Aussagen zum Buddhismus und insbesondere zu Thich Nhat Hanh nicht so stehen lassen. Ich empfinde Ihre Auslegungen zum Buddhismus und den Begrifflichkeiten – wie zum Beispiel “ Hier und Jetzt“, „Achtsamkeit“ „Leere“ ziemlich anmaßend, da sie ganz augenscheinlich noch nie selber meditiert zu haben scheinen. Der Buddhismus ist eine Geistesschulung und tiefgreifende Psychologie und keine spirituelle Vereinigung, die der Realität entflieht. Im Gegenteil: derjenige, der es versteht in Stille zu verweilen, wird einen tiefen Einblick in die Natur des Geistes und die Erkenntnis in die absolute Realität bekommen. Aus der Neurowissenschaft weiß man heute durch gemachte funktionale Hirnscans ( SPECT- MRT), während der Meditation ( u.a. hat sich Matthieu Ricard – ein buddhistischer Mönch und studierter Molekularbiologe mit Abschluss in Promotion Zellulargenetik für eine solche SPECT- MRT Untersuchung in Meditation zur Verfügung gestellt) welche Hirnareale durch die Meditation trainiert werden und wie diese letztendlich unsere Wahrnehmung verändern. Denken- beeinflusst unsere Wahrnehmung- ebenso wie es unsere Emotionen beeinflusst und entsprechend werden wir danach unser Handeln ausrichten… Ich kann Ihnen nur empfehlen, befassen Sie sich tatsächlich mit dem Buddhismus, indem Sie diesen praktizieren und Erfahrung durch Übung sammeln- erst dann werden Sie verstehen, WAS die Worte Buddhas und all seiner Lehrer- ganz gleich aus welcher Richtung des Buddhismus- uns mit auf dem Weg geben möchten. Eine gute Lektüre zur buddhistischen Psychologie ist u.a. Jack Kornfield- das weise Herz/ Dalai Lama – Harmonischer Geist- vollkommenes Bewusstsein- oder Thich Nath Hanh´s Klassiker- wie Siddharta zu Buddha wurde….auf neurowissenschaftlicher Seite finden Sie ebenfalls wunderbare Literatur: https://www.dasgehirn.info/handeln/meditation in Buchform>
    Daniel j. Siegel- das achtsame Gehirn …. und noch viele mehr. Und zu guter Letzt noch eine Anmerkung: Ja, es gibt immer wieder buddhistische Lehrer, die fehlgeleitet sind und sich in den Stricken der Illusion des Ego verfangen haben- das ist bedauerlich, aber menschlich und man kann nur jedem wünschen ( einschließlich der betreffenden Lehrer) dass diese ihren Weg wiederfinden. Thich Nath Hanh gehört aber ganz sicher NICHT dazu. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, solange unser Denken von unserem Ego bestimmt wird und wir zwischen „dem ich hier drinnen “ und dem “ Du da draußen “ unterscheiden; solange werden wir in der Illusion gefangen bleiben. Dazu ein treffendes Zitat von HUANGBO XIYUN “ Nicht bevor alle deine Gedanken ihr Wurzeln im Da und Dort aufgeben, nicht bevor du alle Gedanken des Nach- etwas Suchens zurücklässt, nicht bevor dein Verstand bewegungslos ist wie Holz oder Stein, bist du auf dem richtigen Weg zum Tor der Befreiung.“ Und ganz nebenbei- diese Worte sind eine Metapher- der Sinn zeigt sich dem Praktizierenden…
    In diesem Sinne- bleiben sie wach, achtsam und kritisch. ABER sprechen Sie aus Erfahrung eines Praktikers- nicht aus der eines Lesers.
    Namasté Ihr Dr.Richárd V.

    • Michael sagt:

      Guten Tag,

      wie auch M. Eberhard formulieren Sie Aussagen, die einerseits sehr weitreichend sind und andererseits unbegründet bleiben. Ich kenne durchaus Meditation aus eigener Erfahrung. Sie scheinen übersehen zu haben, dass ich in meinem Offenen Brief von einem Besuch im Intersein berichte. Dort, oder auch z. B. in einem buddhistischen Kreis in Heidelberg, habe ich auch meditiert. Als achtsamen und aufmerksamen Menschen hätte Ihnen das, finde ich, nicht entgehen sollen.

      Auch wenn ich sicherlich nicht so sehr ein Praktiker der buddhistischen Meditation bin und sein will, so praktiziere ich doch eine Vielzahl an Methoden der Nachempfindung und Nachdenklichkeit, des Fühlens und Denkens, welche ebenfalls oder noch mehr (auch neurologisch) die konstruktiven Folgen haben, die Sie von buddhistischer Meditation beschreiben: An erster Stelle will ich da das Musizieren mit Stücken von J. S. Bach nennen oder auch Meditation im weiteren Sinne durch Lebewesen bzw. explizit durch Pflanzen: Vergl.: Binneralpe und Krankheit und Heilung

      Schon im ersten Absatz begründe ich, warum Leute im Untersein-Zentrum eine Parallelwelt hervorbringen bzw. warum sie so sehr dazu neigen gewisse (traurige) Realitäten zu vernachlässigen. Auch mein Offener Brief ist nicht allein aus der Erfahrung von mir als Leser entstanden, sondern viel mehr aus meinem Besuch dort und aus einer Vielzahl von Begegnungen mit Leuten die sich Buddhisten nennen. Auch Buschfrau in ihrem Kommentar meine Kritik aus eigener Erfahrung bestätigt. Zur Person TNH bitte ich zu beachten Sektierertum, Schönfärberei und Selbstüberschätzung …

      Was immer Siddharta an Einsicht und Weisheit gewonnen haben mag durch Meditation, es in die Kategorie des erwacht oder erleuchtet seins zu fassen, deutet sehr darauf hin, dass auch er es nicht lassen konnte sich der Illusion Überheblichkeit und Anmaßung hinzugeben. Auch Sie scheinen diese Illusion ein gutes Stück weit folgen zu wollen, … vergl. Kommentar

  9. Dr. Richárd V. sagt:

    Guten Tag,

    schön, dass Sie sich Gedanken machen…ich habe Ihre Artikel sehr aufmerksam gelesen- aber genau Ihre Antworten zeigen mir, dass Sie nicht verstehen, was genau die Praxis der Geistesschulung und Meditation bewirkt . Also liege ich mit meiner vorangegangen Vermutung doch sehr richtig. Solange Sie immer noch mit dem Verstand ( linkshirnisch) und innerhalb der Dualität Erklärungen finden wollen- werden Sie – wie viele andere Menschen auch- die Dinge hinter der scheinbaren Realität des Ego nicht erkennen können…Ihre Aussagen über Siddharta bestätigen dies. Mögen Sie, lieber Freund Ihren Weg gehen und erkennen, dass Sie mehr der Illusion folgen, als sich von dieser zu befreien (da Sie ja das Wort „Illusion“ so gerne in den Vordergrund Ihrer Auslegungen stellen). Ich werde jedenfalls dazu keine weiteren Kommentare mehr abgeben.
    Namasté- Ihr Dr. Richárd V.

    • Michael sagt:

      Es geht hier um Kommunikation und Diskussion in seiner Bedeutung von aufeinander eingehen, von Erläuterung, Vertiefung und Erweiterung. Ihre Zuschreibungen, Urteile und Unterstellungen, als wie etwa ich hätte keine Praxis der Meditation, waren schon in ihrem ersten Kommentar ohne jede Grundlage oder Ableitung. Statt jetzt auf meine Erwiderung einzugehen, geben Sie sich munter weiteren Unterstellungen und Zuschreibungen hin von wegen Dualismus, Illusion des Ego oder „linkshirnisch“. Es ist das gleiche Geschwätz wie schon von M. Eberhard und schwächt (gegen Sinn und Geist der 4. Sila) Ihre eigene Praxis ebenso wie erneut die Praxis der Achtsamkeit und Einsicht im Allgemeinen.

  10. Reinhard sagt:

    Hallo Michael,
    Widerstände gegen spirituelle Praxis sind normal, weil es bisweilen enorm schwierig sein kann, aus der Identifizierung mit dem eigenen Ego heraus zu treten, sich dessen bewusst zu werden und so den Dimensionssprung in ein neues Bewusstsein zu schaffen.
    Ich begrüße es, grundsätzlich offen für einen Dialog zu bleiben, auch wenn die Fronten so verhärtet scheinen, dass „nichts mehr geht“. Insofern begrüße ich auch deine Initiative für diesen Blog. Damit gibst du allen Beteiligten eine Chance für Entwicklung.

    Zuerst fällt auf, dass die Kritik gegen „ … findet das Leben nur im gegenwärtigen Moment statt und es ist nur möglich im Hier und Jetzt glücklich zu leben“ nicht nur auf das Intersein-Zentrum, auch nicht nur auf die Praxis nach Thich Nhat Hanh, ebenso nicht ausschließlich auf den Buddhismus, sondern (soweit mir bekannt ist) auf JEDE ernstzunehmende Praxis für Bewusstseinsentwicklung – inkl. Psychotherapie- zutrifft. Geistige Entwicklung – egal nach welcher Lehre – führt immer zu mehr Gegenwartsbewusstsein, weil es das Einzige ist, was wirklich ist. Besonders deutlich wird es bei Eckhart Tolle, wenn ich an seinen Weltbestseller „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ denke. (Eckhart Tolle lehrt konfessionsunabhängig bzw. konfessionsübergreifend.) Nun sollte jeder Verstand stutzig werden wenn sich Kritiik an der Gesamtheit jeder Spiritualität regt. Der Verstand müsste erkennen: „Da habe ich wohl etwas falsch verstanden.“
    Ich stelle in Frage, ob im Intersein-Zentrum über Geisteszustände tatsächlich gewertet wurde oder ob es dein Geist war, der gewertet hat. (Die Frage muss offen bleiben, das kann hier schriftlich nicht geklärt werden.) Eine Wertung im Sinne von „Begehren und Ablehnung“ ist natürlich nicht im buddhistischen Sinne. Wohl aber muss Position bezogen werden darüber, was zur Weiterentwicklung führt und was nicht. Wenn der Geist z. B. gerade in der Vergangenheit ist, dann ist es das WAS JETZT IST. Korrekte Praxis ist es nicht, das Abschweifen abzulehnen, sondern sich darüber BEWUSST zu werden. Gegen BEWUSSTES geistiges Verweilen in anderen Zeitdimensionen ist nichts einzuwenden. Es ist manchmal sogar nötig, sonst könnte man keine Zukunftspläne machen.
    Abträglich aber ist das Verweilen außerhalb der Gegenwart wenn es unbewusst geschieht. DARAUF bezieht sich die Regel, ins Hier und Jetzt zurück zu kommen. (Darum geht es übrigens auch bei einer Psychotherapie. Psychische Probleme (Konflikte u. a.) ergeben sich häufig durch eine unbewusste getäuschte Wahrnehmung, die aus unserer Kindheit stammt.)
    Schade, dass die Leute im Intersein-Zentrum dir nicht helfen konnten, zu erkennen, dass es nicht um eine Bewertung von Geisteszuständen geht, sondern darum, BEWUSSTHEIT darüber zu erlangen, – sobald Bewusstheit darüber besteht, ist man wieder im Hier und Jetzt. Könnte es sein, dass in diesem Punkt dein Missverständnis liegt?
    Ich weiß nicht ob’s dir hilft, aber ich nenne mal den Titel eines youtube-Videos zu dem Thema: Der einzige Unterschied zwischen Dir und einem Erleuchteten
    Und – auf die Gefahr hin, dass es wieder missverstanden wird – auch ein Videotitel mit Thich Nhat Hanh: How do I stay in the present moment when it feels unbearable? | Thich Nhat Hanh Answers Questions (Es ist original englisch, aber ich hatte den deutschen Untertitel dazu geschrieben.)
    Herzlichst, Reinhard

    • Michael sagt:

      Hallo Reinhard,

      was ist für dich so gefährlich oder unfrei an einer „Identifizierung mit dem eigenen Ego“? Sagen wir wenn das ein Prozess ist, beweglich, veränderlich, komplex, ausdifferenziert, ausgeprägt, vielfältig, vielseitig, das ganze Spektrum von großer Ruhe im kühlen, feuchten Dunkel bis zum flattern, flirren in gleißendem Sonnenlicht … wie eine tief und weit verzweigte Wurzel mit ausgewachsenem Stamm und Baumkrone bis weit in den Himmel in voller Blüte? (vergl. a.: Binneralpe)

      „Ich kann nie etwas Anderes wahrnehmen, ohne mich selbst wahrzunehmen, fast ebenso wie ich mich selbst nur wahrnehmen kann, in der Wahrnehmung des Anderen.“ (vergl.: Refugees Welcome!) Selbstbezogenheit oder Selbstidentifizierung, welche in diesem Sinne lebendig und erfüllt ist, kann nur die freundliche Beziehung auf Augenhöhe zu allen anderen Pflanzen, Tieren und und vor allem Menschen sein – Meine Philosophie ist die Freundlichkeit! Menschliche Wahrnehmung, Weisheit und Einsicht (gleich Intelligenz!) lebt und entfaltet sich in nichts mehr als in einer solchen ausbalancierten Wechselseitigkeit. Zuallererst das menschliche Selbst, lebt in nichts anderem mehr, als in seiner Beziehung zu möglichst verschiedenen und möglichst vielen anderen Lebewesen und Menschen. (vergl.: z. B. Der hohle Krieg oder die Fülle des Friedens)

      Das bedeutet auch, dass es sehr unklug ist, sich so sehr an einer Persönlichkeit (wie z. B. Siddharta) und deren Einsicht zu orientieren, es sollten viel mehr ebenfalls ein sehr bunter Mix von Leuten sehr unterschiedlicher Herkunft, Alters oder Bildungsweise sein. Sagen wir z. B. Anne Frank, Albert Einstein, Billie Holiday, Wolfgang Amadeus Mozart, Beethoven („Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.“), Ralph Ellison, J. D. Salinger, Alexander Puschkin und viele, viele andere …

      Kaum was macht Persönlichkeiten wie diese so glaubwürdig, wie deren Einsicht, dass sie nicht erleuchtet oder erwacht sind und kaum was macht einen wie Siddharta so unglaubwürdig wie dessen Illusion, erleuchtet oder erwacht zu sein: Bitte auch beachten: „Siddharta hat sich für erleuchtet gehalten und du bist ihm und seinen Lehrern darin immer gefolgt, dass aber gerade in diesem Anspruch der Erleuchtung des Siddharta, der grundlegendste und schrecklichste Irrtum enthalten sein könnte, scheint dir und den meisten, die sich Buddhisten nennen, eigentlich nie mehr einsichtig und möglich zu sein.“ (vergl.: Kommentar)

      Die Formulierung der Siebten Achtsamkeitsübung ist viel zu ausschließlich, kategorisch und pauschal. Als solche beschränkt sie sich viel zu sehr, als dass sie deine Erläuterungen und Ergänzungen z. B.in Bezug auf ein bewusstes Abschweifen zulassen würde. … bitte nachlesen in meinem Brief und oder auch Kommentar. Ich will auch entgegen der sehr generellen Aufwertung von Gegenwart und dem Hier und Jetzt im Buddhismus und deiner Vermutung anmerken, dass z. B. in der Psychoanalyse die Erinnerung oder auch das schmerzliche Nachempfinden (Arno Gruen) oder Nacherlebnis der eigenen Kindheit, sehr wesentliche ist. Auch Zerstreuung wird viel zu generell und pauschal abgewertet etwa gegenüber einer sog. „tiefen Bewusstheit“. vergl. a:

      The Catcher in the Rye – J. D. Salinger – Reclam 2011 S. 222 und 223 „… – but it was nice. … I mean it’s dirty yelling ‚Degression!‘ at him whe he’s all nice and exited. … you just didn’t know this teacher, … he’d kept telling you to unify and simplify all the time. … you could tell he didn’t have too much brains.“ & „They’re both technicians. They don’t have intelligence. They have what I call ‚thintelligence‘. They see the immediate situation. They think narrowly and they call it ‚being focused‘. They don’t see the surround. They don’t see the consequences.“ (S. 327) Jurassic Park – Michael Crichton, Penguin Arrow Books 2015

      Das Intarsien-Zentrum geleitet von Helga und Karl Riedl und initiiert von TNH ist hierarchisch und autoritär, als solches sehr konfliktscheu und kritikunfähig. Was dort mit dem größten Eifer geübt wird, ist die Kommunikationsunfähigkeit und Harmoniesucht (vergl. Kommentar von Boris) Ich war dort zuallererst auf Besuch und nicht um mir helfen zu lassen. Solche Anmerkungen von dir sind durchsichtig und lassen erkennen, dass du, wie viele andere aus buddhistischen Kreisen, Leute wie mich gern als hilfsbedürftig einordnen wollen.

      Herzliche Grüße von der Binneralpe

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